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Autoren
Björn Malte Schäfer

Statistical Physics: Linking the Microscopic with the Macroscopic World

Statistische Physik ist die mikroskopische Theorie, die den thermodynamischen makroskopischen Eigenschaften physikalischer Systeme zugrunde liegt. Diese Lecture Notes sind eine Einführung in die notwendigen statistischen und mechanischen Konzepte, die für die Thermodynamik im Gleichgewicht und die Konstruktion von Zustandssummen benötigt werden. Die Lecture Notes decken die klassische Statistik und die Quantenstatistik ab und behandeln weiterführende Themen wie die Langevin-Dynamik, die Fokker-Planck-Gleichung und Phasenübergänge. Dabei werden viele Systeme wie ideale klassische und relativistische Gase detailliert ausgearbeitet.

2. Auflage unter https://doi.org/10.17885/heiup.1518

Björn Malte Schäfer

Tooltips for Theoretical Physics: Concepts of Modern Theoretical Physics, Scales and Mathematical Tools

Theoretische Physik wird üblicherweise in getrennten Vorlesungen vermittelt, in denen die Konzepte im Zusammenhang mit den fundamentalen Naturkonstanten beleuchtet werden: Elektrodynamik und Lichtgeschwindigkeit, Quantenmechanik und Wirkungsquantum, Thermodynamik und Boltzmann-Konstante und schließlich Relativität mit der Newton-Konstante und der kosmologischen Konstante. In diesem Skript werden die Konzepte der theoretischen Physik mit ihren Gemeinsamkeiten vorgestellt und Phänomene auf ihren Ursprung in fundamentalen Konzepten zurückgeführt.

Christian Gründig

Französische Lebenswelten in der Residenz: Akteure, Räume und Modalitäten französisch-sächsischer Verflechtung im augusteischen Dresden, 1694‒1763

In der augusteischen Epoche (1694–1763) entwickelte sich die sächsische Residenzstadt Dresden zu einem kulturellen Zentrum des Reichs. Neue Personennetzwerke und Handelswege setzten Wissenstransfers in Gang, wobei die Verbindung zu Frankreich eine herausragende Rolle einnahm. Diese Studie richtet daher den Blick auf die Vielzahl der Französinnen und Franzosen, die für kurze oder längere Zeit in die sächsische Hauptstadt kamen. Anhand von zahlreichen Quellen aus deutschen und französischen Archiven werden die in Frankreich liegenden Voraussetzungen dieser Reisen, die sozialen Modalitäten und schließlich das französische Wirken am Hof und in der Stadt betrachtet. Dadurch entsteht ein facettenreiches, akteurszentriertes Bild des französisch-sächsischen Kulturtransfers.

Bijay Basukala, Niels Gutschow, Nutandhar Sharma

Patan-Vãbāhā: History and Inventory of a Newar Buddhist Monastery

Dieser Band präsentiert den religiösen, architektonischen und textlichen Hintergrund von Vãbāhā, einem der 16 Hauptklöster von Patan, einer der drei Königsstädte des Kathmandu-Tals in Nepal. Die Geschichte des buddhistischen Klosterhofs und seiner Objekte wird zusammen mit 42 Inschriften aus der Zeit von 1596 n. Chr. bis 2021 vorgestellt.

Peter König (Hrsg.), Oliver Schlaudt (Hrsg.)

Kosmos: Vom Umgang mit der Welt zwischen Ausdruck und Ordnung

Die lange Geschichte der Kosmologie mündete nicht einfach in der Spezialdisziplin der physikalischen Lehre vom Universum. Vielmehr ist die Gegenwart von einer „kosmologischen Unruhe“ gekennzeichnet, welche anzeigt, dass heute zentrale Fragen nach der Welt und unserer Stellung in der Welt neue Antworten verlangen. Ein Blick in die Geschichte und Vielfalt der Kosmologie zeigt eine „Ausdrucksform“, die sich nicht auf die Funktion des Weltbildes beschränkt, sondern viele andere Zwecke verfolgen kann und sich auf komplizierte Weise in die intellektuellen, theoretischen, aber auch politischen, ethischen und praktischen Kontexte ihrer Zeit einschreibt. Der vorliegende Band zeichnet dies in vielen Fallstudien nach, die von der Vorgeschichte bis zur heutigen Erdsystemwissenschaft reichen.

Friedrich Carl Kaiser, Johannes Knüchel (Hrsg.)

Carl Stamitz (1745–1801): Biographische Beiträge – Das symphonische Werk – Thematischer Katalog der Orchesterwerke

Carl Stamitz (1745–1801), der älteste Sohn von Johann Stamitz, ist durch seine Werke Musikinteressierten ein Begriff, finden sich seine Kompositionen doch auf zahlreichen Tonträgern und Konzertprogrammen im heutigen Musikbetrieb. Die Musikwissenschaft schenkt diesem Komponisten aus den Reihen der kurpfälzischen Hofmusiker nicht in gleicher Weise Aufmerksamkeit. Nach wie vor ist die 1962 eingereichte Dissertation von Friedrich Carl Kaiser (1931–2008) die einzige Monographie, die sich mit dem Leben und einem gewichtigen Teil seines schöpferischen Werkes, der Orchestermusik, systematisch beschäftigt. Sie ist ein Standardwerk, das zu Recht in jeder Bibliographie zum Thema erscheint. Bislang war es lediglich möglich, die auf wenige Bibliotheken verteilten Pflichtexemplare der Dissertation in Typoskriptform einzusehen, welche noch dazu im Detail voneinander abweichen. Als Ursache dafür ist die insgesamt ungewöhnliche Genese des Textes zu nennen: Kaiser hat über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder Änderungen und Zusätze an seiner Stamitz-Monographie vorgenommen. Die vorliegende Ausgabe, die auch Kaisers Handexemplar aus dem Nachlass berücksichtigt, stellt nun der musikwissenschaftlichen Forschung eine verlässliche Leseausgabe dieses grundlegenden Textes zur Verfügung.

Steve Pagel

Die Wurzeln der Kontaktlinguistik: Zur Entstehung des Sprachkontaktparadigmas in der Sprachwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Romanistik

Das Nachdenken über Sprachkontakt und Sprachmischung ist von Beginn an Teil der europäisch-abendländischen Beschäftigung mit Sprache. Angefangen bei Platon im vierten vorchristlichen Jahrhundert, ist es für lange Zeit ein unaufgeregtes Nachdenken, bis sich im 19. Jahrhundert der Blickwinkel radikal ändert: Die Normalität ist plötzlich weg, Kontakt und Mischung werden erst zu einem Forschungstabu und nur wenig später zum ernsthaften Forschungsfokus, aus dem eine eigene Disziplin, die Kontaktlinguistik, hervorgeht. Dieses Buch erzählt erstmals die Geschichte der Erforschung von Sprachkontakt bis an die Schwelle zum 20. Jahrhundert und zeigt, wie kritisch-historiografische Studien helfen können, aktuelle Debatten (z. B. in der Kreolistik) einzuordnen und voranzubringen.

Francesco Panarelli (Hrsg.), Kristjan Toomaspoeg (Hrsg.), Georg Vogeler (Hrsg.), Kordula Wolf (Hrsg.)

Von Aachen bis Akkon: Grenzüberschreitungen im Mittelalter. Festschrift für Hubert Houben zum 70. Geburtstag

Dieser anlässlich des 70. Geburtstages von Hubert Houben publizierte Band stellt Grenzüberschreitungen als eines der Themen, die dem Jubilar am Herzen liegen, in den Mittelpunkt. Indem die Autorinnen und Autoren Grenze als soziales Konstrukt verstehen, befassen sie sich mit ausgewählten Fällen der Überschreitung von räumlichen, kulturellen und rechtlichen Grenzen im Mittelalter. Die daraus resultierende Vielschichtigkeit und Multiperspektivität spiegeln verschiedene Ansätze und Forschungstraditionen, die in der Zusammenschau ein breites Spektrum möglicher Zugänge zur Thematik der Grenzüberschreitung aufzeigen.

Christian Alexander Neumann (Hrsg.)

Old Age before Modernity: Case Studies and Methodological Perspectives, 500 BC ‒ 1700 AD

Dieser Band widmet sich dem Alter(n) in der Vormoderne mit einem Fokus auf dem Mittelalter. Gerontologische und geisteswissenschaftliche, vor allem geschichtswissenschaftliche Perspektiven werden miteinander kombiniert, um so zu neuen Einsichten zu gelangen. Die gerontologischen Beiträge legen zentrale Theorien und Methoden dar, die für die Analyse historischer Entwicklungen relevant sind, während die geisteswissenschaftlichen Beiträge Fallstudien präsentieren, welche historische Evidenz liefern.

Stefan Ardeleanu (Hrsg.), Jon C. Cubas Díaz (Hrsg.)

Funerary Landscapes of the Late Antique “oecumene”: Contextualizing Epigraphic and Archeological Evidence of Mortuary Practices. Proceedings of an International Conference in Heidelberg, May 30–June 1, 2019

Dieser Band präsentiert die erste pan-mediterrane Synopsis spätantiker Bestattungspraktiken, welche eine Fülle von archäologischen und epigraphischen Zeugnissen kombiniert und kontextualisiert. In 17 Beiträgen erörtert eine Gruppe internationaler Fachleute Grabbefunde aus 14 spätantiken Landschaften, um sowohl die große Vielfalt mikroregionaler und lokaler Praktiken in den Bestattungskulturen als auch die Bedeutung globaler Trends aufzuzeigen. In diesem Band werden verschiedene neue methodische Ansätze angewandt: die Materialität von Epitaphien und Gräbern, ihre Sichtbarkeit, ihre Zugänglichkeit, ihre Wahrnehmung, ihre Einbettung in sich verändernde räumliche Umgebungen sowie ihre entscheidende Rolle im Rahmen sozialer Verhandlungsprozesse werden berücksichtigt. Das Buch stellt unser Verständnis der Bestattungsgewohnheiten und des Totengedenkens in der Übergangsphase der ‚Langen‘ Spätantike auf eine völlig neue Grundlage.

Benjamin Beuerle (Hrsg.), Sandra Dahlke (Hrsg.), Andreas Renner (Hrsg.)

Russia's North Pacific: Centres and Peripheries

Die Buchreihe „Russia and the Asia-Pacific“ untersucht politische, ökonomische, gesellschaftliche, kulturelle und umweltbezogene Interaktionen des russischen Fernen Ostens innerhalb seines asiatisch-pazifischen Kontextes wie auch mit der russischen Hauptstadt in Vergangenheit und Gegenwart. Ihr erster Band befasst sich aus multidisziplinärer Perspektive insbesondere mit den folgenden Fragen: Wie wurden und werden Verordnungen eines tausende Kilometer entfernten Zentrums von Akteuren in dieser Region wahrgenommen und umgesetzt? Inwieweit war und ist das Zentrum erfolgreich oder inwieweit ist es gescheitert darin, eine Region in seine staatlichen Strukturen zu integrieren, die so weit entfernt liegt wie der russische Ferne Osten? Wie haben sich die Bedeutungen von „Zentrum“ und „Peripherie“ mit der Zeit verändert?

Martin Bauer (Hrsg.), Philip Booth (Hrsg.), Susanna Fischer (Hrsg.)

To Jerusalem and Beyond: Interdisciplinary Approaches to the Study of Latin Travel Literature, c.1200-1500

Mit der Ausweitung von Handelsrouten, Pilgerfahrten und Missionsreisen im 13. Jahrhundert erlebte die lateinische Reiseliteratur einen nie gekannten Aufschwung. Um die Bedeutung dieser Gattung aufzuzeigen, präsentiert und evaluiert dieser Band aktuelle und zukünftige Wege der Forschung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der lateinischen Reiseliteratur von ca. 1200 bis 1500. Durch die Kombination digitaler, kodikologischer, literarischer, philologischer und anthropologischer Ansätze wird untersucht, wie die einzelnen Texte verfasst, verbreitet, rezipiert und gelesen wurden. Zugleich regen die Interpretationen dieses Bandes dazu an, vor dem Hintergrund moderner methodischer und theoretischer Ansätze zu einer Neubewertung der lateinischen Reiseliteratur zu gelangen.

Annika Haß

Europäischer Buchmarkt und Gelehrtenrepublik: Die transnationale Verlagsbuchhandlung Treuttel & Würtz, 1750–1850

Die Verlagsbuchhandlung Treuttel & Würtz war um 1800 eine Drehscheibe des europäischen Austauschs par excellence. Während der Verlag mit Publikationen von Johann Wolfgang von Goethe oder Germaine de Staël ein transkulturelles Elitepublikum anvisierte, belieferte die Buchhandlung mit ihren Filialen in Straßburg, Paris und London sowie ihrem weit verzweigten Handelsnetzwerk Kunden in ganz Europa. Erstmals werden in dieser Studie Funktionsweise und Einfluss der Verlagsbuchhandlung untersucht und in den kulturhistorischen Kontext eingebettet: von der Organisation des Buchhandels und den Kooperationen der Buchhändler über Bibliotheksgeschichte bis zur Entstehung neuer akademischer Disziplinen wie der modernen Philologien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. All diese Bereiche zeichneten sich durch einen transnationalen Markt aus, der von Treuttel & Würtz in einer Weise bedient wurde, die als praktizierte Weltliteratur bezeichnet werden kann.

Benjamin Auberer

›From the Australian Bush to the International Jungle‹: Internationale Karrieren und der Völkerbund

Nach dem Ersten Weltkrieg stellte die Mitgliedschaft im Völkerbund für die britischen Dominions einen wichtigen Schritt auf dem Weg in die außenpolitische Unabhängigkeit dar. Dabei war der Internationalismus des Völkerbunds kein rein politisches Phänomen, sondern besaß auch eine soziale Dimension. Insbesondere das in Genf angesiedelte Völkerbundsekretariat entwickelte sich schnell zu einem Knotenpunkt des liberalen Internationalismus. Benjamin Auberer untersucht dieses Beziehungsgeflecht am Beispiel der Karriereverläufe von fünf australischen und neuseeländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Völkerbundsekretariats und trägt so zu einer Globalgeschichte des Völkerbunds und seiner Bürokratie bei.

Gert-Matthias Wegner

Drumming in Bhaktapur: Music of the Newar People of Nepal

Diese wegweisende Publikation bietet einzigartige Informationen über eine der großartigsten und vielfältigsten Musikkulturen des Himalaya-Gebietes: Die zahlreichen Trommeltraditionen von Bhaktapur im Kathmandu-Tal sind ein wichtiger Aspekt der traditionellen Newar-Kultur, die ihre Blütezeit zwischen dem 13. und 18. Jahrhundert erlebte. Die drei Malla-Königreiche Bhaktapur, Lalitpur und Kathmandu wetteiferten in Kunst, Architektur, Musik, Tanz und opulenten Stadtritualen, mit denen die Anwesenheit der Götter gefeiert wurde. Die Musik diente als Portal zwischen der Welt der Menschen und dem Reich der Götter.

Die vorliegende Studie dokumentiert die Rolle und das Repertoire der verschiedenen Perkussionsgattungen in transkribierter und kommentierter Form; sie eignet sich sowohl für den praktischen Gebrauch als auch als Lehrmaterial. Zudem enthält sie ein Wörterbuch der Newari-Begriffe aus dem Bereich der Musik. Da sich die Studie auf das musikalische Leben in Bhaktapur in der Dekade ab 1983 konzentriert, kann sie als Bezugspunkt für einen Vergleich mit der heutigen Situation dienen. Diese Publikation ist ein hervorragender Beitrag zur Erhaltung der Newar-Kultur.

Diese Publikation enthält elektronisches Begleitmaterial (Dokumentarfilme und Hörbeispiele). Eine Übersicht finden Sie auf Seite 403.

Sukla Chatterjee (Hrsg.), Joanna Chojnicka (Hrsg.), Anna-Katharina Hornidge (Hrsg.), Kerstin Knopf (Hrsg.)

Postcolonial Oceans: Contradictions, Heterogeneities, Knowledges, Materialities

Dieses Buch leistet einen Beitrag zur Untersuchung von Ozeanen, Meeren, Küstengewässern und Flüssen im Kontext der Blue Humanities, indem es sich dem Thema Wasser aus verschiedenen epistemologischen, narratologischen, geografischen, kulturellen und disziplinären Perspektiven nähert und diese miteinander vernetzt.

Die Beiträger:innen aus Afrika, Asien, der Karibik, Europa, Nordamerika und dem Pazifik beschäftigen sich mit den Verflechtungen zwischen Ozeanen, Küstengebieten, Flüssen, Menschen, Tieren, Pflanzen, Organismen und Landschaften in den Bereichen Kulturgeschichte und Kulturwissenschaften, critical race theory und postkoloniale Studien, Meeres- und Umweltstudien, Linguistik, Literatur-, Film- und Medienwissenschaften.

Marlène Harles

Collectives, Localities, Networks: A Translocal Ethnography of Emerging Contemporary Art Field(s) in Nepal and Bangladesh

Künstler*innenkollektive entwickeln sich zu einer treibenden Kraft im Kunstfeld. Sie aktivieren neue Räume für künstlerische Praxis und Präsentation. Sie gestalten neu aufkommende Formate, von Kunstprojekten in der Nachbarschaft bis hin zu großangelegten Biennalen. In ihrer Praxis hinterfragen die Kunstschaffenden etablierte Kunstbegriffe sowie hegemoniale Umschreibungen von Lokalität.

Dieses Buch ist das Ergebnis einer langjährigen Arbeit mit zeitgenössischen Kunstschaffenden in Nepal und Bangladesch. Es verfolgt einen akteurszentrierten Ansatz, um die Begriffe contemporaneity und collectivity zu entschlüsseln. Sein Fokus auf kollaborative Kunstpraktiken in Verbindung mit einer multiskalaren und translokalen Perspektive fordert uns dazu auf, die Verwendung von häufig Hierarchien transportierenden Begriffen wie Stadt, Region oder Globalität zu überdenken.

Cornelia Logemann

Prinzip Personifikation: Frankreichs Bilderwelt im europäischen Kontext von 1300 bis 1600

Bei dem Versuch, die Entstehung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildtheorie und -praxis zu erklären, wurden Personifikationen als Quelle bisher weitgehend übersehen. Dabei kann die Bedeutung allegorischer Verkörperungen als Kulturtechnik für das ausgehende Mittelalter und den Beginn der Frühen Neuzeit, insbesondere im französischen Sprachraum, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

In einem konsequent medienübergreifenden Ansatz soll an der Personifikation das Spannungsfeld von Bildern, Texten und theatralen Inszenierungen mit seinen entscheidenden Umbrüchen dargelegt werden. Dabei wird offenkundig, dass nicht nur das mittelalterliche, sondern auch das neuzeitliche Bildverständnis ganz wesentlich auf Entwicklungen seit dem späten 13. Jahrhundert basiert. Der allegorisch-personifizierende Bildmodus erweist sich dabei als dominierendes Verfahren eines Bilddenkens, das erst ab 1593 mit Verbreitung von Cesare Ripas Iconologia einer grundlegenden Normierung unterworfen wurde.

Stefan Menzel

Pforta, St. Afra, St. Augustin und die Transformation der mitteldeutschen Musiklandschaft (1543–1620)

Die albertinischen Fürstenschulen Pforta (bei Naumburg), St. Afra (Meißen) und St. Augustin (Grimma) waren von großer Bedeutung für die Konsolidierung der lutherischen Kirchenmusik. Die Schulen, ihre Lehrer und Absolventen trieben die Transformation Mitteldeutschlands in eine blühende Musiklandschaft voran. Diesen Prozess zeichnet das Buch detailliert nach und entwirft dabei ein musikhistorisches Panorama der Reformation, das vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges reicht. Die Studie füllt damit nicht nur musikhistoriographische Lücken, sondern beschreibt auch eine der bedeutendsten musikalischen Kulturlandschaften des alten deutschen Sprachraums.

 

Rajan Khatiwoda

Homicide Law in 19th-Century Nepal: A Study of the Mulukī Ains and Legal Documents

Hauptziel dieses Buches ist eine detaillierte Analyse der Entstehung und Durchsetzung des nepalesischen Mulukī Ain von 1854, wobei das Hauptaugenmerk auf den Bestimmungen zum Mord innerhalb der Mulukī Ains von 1854 und 1870 liegt. Daneben untersucht die Studie auch zeitgenössische juristische Aufzeichnungen, die die Komplexität der Umsetzung des Ain aufzeigen. Die Paragraphen zu Tötungsdelikten dienen als Mikrokosmos, anhand derer sich die allgemeine Entwicklung des nepalesischen Rechtssystems veranschaulichen lässt. Dieses löste sich von veralteten Strafen wie der Genitalverstümmelung und führte stattdessen Geld- und Freiheitsstrafen ein. Dennoch sind die Neuerungen, die in das Ain von 1854 aufgenommen wurden, nicht durchweg fortschrittlich. Somit zeigt das Ain in seinen verschiedenen Entwicklungsstadien die komplexen Veränderungen, die Rechtssysteme unweigerlich durchlaufen.

Christa Syrer

Die Räume der Witwe: Architektur und Funktion fürstlicher Witwensitze in der Frühen Neuzeit, 1450–1650

Fürstliche Witwen traten an den Höfen des Heiligen Römischen Reichs als Mütter, Beraterinnen und Mäzeninnen in Erscheinung. Ihnen stand eine angemessene finanzielle Versorgung zu. Als repräsentatives Zentrum wurde der fürstlichen Witwe und ihrem Hof ein Schloss als Witwensitz zugewiesen. Das Buch wirft erstmals einen kunsthistorischen Blick auf den Ausbau und die zeremonielle Nutzung fürstlicher Witwensitze vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Im Fokus stehen dabei Funktionswandel und Umnutzung der Schlösser. Die Analyse ausgewählter Beispiele zeigt, wie die Witwen ihrer neuen Rolle als unabhängige Verwalterinnen ihrer Ämter auch baulich und räumlich Ausdruck verliehen.

Johannes Klaus Kipf (Hrsg.), Jörg Schwarz (Hrsg.)

Mittelalterliche Stadtgeschichte(n): Stadt und Kultur in Mittelalter und Früher Neuzeit

Der Titel ‚Mittelalterliche Stadtgeschichte(n)‘ evoziert die zweifache Bedeutung des Wortes ‚Stadtgeschichte(n)‘ als Ereignis und als Erzählung. Zum einen geht es um das Geschehen an sich, zum anderen um das über dieses Geschehen Berichtete und Erzählte, also die Stadtgeschichtsschreibung sowie die in der Stadt produzierte Literatur.

Der Sammelband vereint Beiträge, die nach der Repräsentation der Stadt in Literatur, Kunst und Historiografie sowie nach einer spezifisch städtischen Kultur in Mittelalter und Früher Neuzeit fragen. Dazu werden aus dem umfassenden Corpus solche Quellen herausgegriffen, in denen Topografie und Institutionen, Bauten und Bewohner explizit zur Sprache kommen und zum Gegenstand der Erzählung, des Lobs und der Geschichtsdarstellung werden. Ziel ist es, ältere Ansätze der Sozialgeschichte mit jüngeren, wie etwa imagologischen Ansätzen zu verbinden. 

Eva Zimmermann

Baden-Baden, Sommerhauptstadt Europas: Eine deutsch-französische Beziehungsgeschichte, 1840–1870

Zwischen Mitte der 1840er-Jahre und dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 avancierte der Kurort Baden-Baden zum führenden Modebad Europas und zu einem bedeutenden interkulturellen Zentrum. Der ausgeprägte französische Einfluss brachte der Stadt auf beiden Seiten des Rheins den Ruf einer »französischen Kolonie« und einer »Filiale von Paris« ein, wobei dies unterschiedlich interpretiert wurde. Eva Zimmermann geht der Entwicklung dieses einzigartigen Ortes der deutsch-französischen Kulturbeziehungen im Spannungsfeld zwischen Kosmopolitismus und erstarkendem Nationalismus nach. Sie analysiert die vielfältigen Faktoren, die zur Entstehung der »Sommerhauptstadt Europas« beitrugen, und identifiziert Phänomene und Grenzen des Austauschs und Kulturtransfers, welche die gesamte Bäderkultur prägten. 

Laura Hankeln

Antiziganismus im baden-württembergischen Staatsapparat 1945–1970

Der Zusammenbruch des NS-Regimes bedeutete für die in Deutschland lebenden Sinti und Roma noch nicht das Ende von Unterdrückung und Ausgrenzung. Auch nach 1945 waren sie mit Diskriminierung konfrontiert, denn insbesondere auf staatlicher Ebene waren antiziganistische Vorurteilsstrukturen weiterhin handlungsleitend. Mit Blick auf die drei Themenschwerpunkte Entschädigung, Gesetzgebung und juristische Ahndung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen fokussiert sich die vorliegende Studie auf den baden-württembergischen Staatsapparat und seine Minderheitenpolitik bis in die 1970er-Jahre. Im Vordergrund steht der Umgang der Behörden mit den überlebenden Sinti und Roma sowie deren Perspektive auf ihre staatlichen Verfolgungs- und Vernichtungserfahrungen im Nationalsozialismus.

Arnold Esch, Ludwig Schmugge

Menschen in ihrer Gegenwart: Die Fülle spätmittelalterlichen Lebens im Spiegel der Apostolischen Pönitentiarie

Dieser Band mit ausgewählten Aufsätzen von Arnold Esch und Ludwig Schmugge aus über dreißig Jahren Forschungsarbeit hat Quellen zum Gegenstand, die aus den Beständen der Apostolischen Pönitentiarie stammen, des obersten Buß- und Gnadenamts der katholischen Kirche – genauer gesagt Register, die diese ‚Behörde‘ über von ihr positiv beschiedene Bittschriften (Suppliken) aus allen Regionen der lateinischen Christenheit führte. Was sind das für Quellen und warum sollte man sie studieren? Wie wurden sie entdeckt und erschlossen? Welche neuen Perspektiven eröffnen sich durch ihre Analyse? Zu diesen Fragen geben die Beiträge beider Autoren Antworten und Anregungen.

Christopher James Sprecher

Emperor and God: Passion Relics and the Divinisation of Byzantine Rulers, 944–1204

Diese Studie untersucht, wie sich das Verständnis des byzantinischen Kaisers als heilige oder göttliche Figur in der mittelbyzantinischen Periode veränderte. Sie stützt sich dabei auf die genaue Lektüre und das Studium dreier mittelalterlicher Passionsreliquien, die in Konstantinopel aufbewahrt wurden: des Mandylions, des Reliquienensembles der Limburger Staurotheke sowie des Heiligen Steins. Begleitet von ins Englische übersetzten mittelalterlichen griechischen Quellentexten, die sich auf diese Reliquien beziehen, zeigt Sprecher, dass die Passionsreliquien in dieser Zeit dazu dienten, den Kaiser nicht nur als von Gott ernannten und gesalbten Herrscher zu präsentieren, sondern ihn auf überraschende Weise auch selbst als göttlich erscheinen zu lassen.

Noga Mishliborsky

L'agir en Grèce ancienne: Une étude de cas franco-allemande sur Bruno Snell et Jean-Pierre Vernant

Welche Verbindung gibt es zwischen der griechischen Antike und der Welt von heute? Zwischen den wissenschaftlichen Analysen eines Forschers, seinen Überzeugungen und seinem Leben als Bürger? Zwischen der philologischen Reflexion darüber, wie Figuren bei Homer und in der griechischen Tragödie Entscheidungen treffen, und dem Engagement von Intellektuellen während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich und Deutschland? Zwischen dem deutschen Philologen Bruno Snell, der vom Winckelmann‘schen Idealismus und einer von Wilamowitz geerbten wissenschaftlichen Praxis geprägt war, und Jean-Pierre Vernant, einem französischen Philosophen und Anthropologen mit marxistischen Ansichten? Dieses Buch zeigt auf nuancierte Weise, wie diese scheinbar weit voneinander entfernten Bereiche und Personen sich begegnen.  

Christoph Strohm

Religion, Recht und Säkularisierung in der Frühen Neuzeit: Zur kulturellen Signatur der westlichen Christenheit

Die stimulierende Polarität von Religion und Recht bestimmt von Anfang an die Geschichte des Christentums. Sie verbindet sich im Mittelalter mit dem Ringen von geistlicher und weltlicher Gewalt und seit der Reformationszeit mit dem Streit der sich herausbildenden Konfessionen. Nicht zuletzt dadurch kommt es zu einem dauernden Wechselspiel von säkularisierenden Tendenzen und Bestrebungen einer religiösen Intensivierung. Beides wirkt sich auf die Rechtsentwicklung aus, vielfach katalytisch-verstärkend oder beschleunigend, in einzelnen Situationen sogar impulsgebend, mitunter aber auch hemmend. Im Miteinander dieser Polaritäten wird das Eigentümliche des westlichen Christentums sichtbar.

Max Binder

Ernst Kurth und Sergej Taneev: Philosophie linearer Satztechniken zu Beginn des 20. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf zeitgenössische Kompositionen

Das Aufkommen linearer Strömungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellt ein bemerkenswertes und bislang wenig beschriebenes Phänomen der Musikgeschichte dar. Zwei Hauptprotagonisten waren Ernst Kurth (Bern) und Sergej Taneev (Moskau), deren Kontrapunkttheorien Grundlagenwerke für das Wirken zahlreicher Musikschaffender der Zeit bildeten. Obwohl denselben Gegenstand betreffend, weisen beide Theorien fundamentale Unterschiede auf, in musiktheoretischer wie in musikästhetischer Hinsicht. Es stellt sich heraus, dass diese unterschiedlichen Philosophien sich in zahlreichen Werken von Komponisten wie Ernst Křenek, Artur Schnabel, Alexander Skrjabin und Nikolaj Metner widerspiegeln.

Robert Hesselbach (Hrsg.), José Calvo Tello (Hrsg.), Ulrike Henny-Krahmer (Hrsg.), Christof Schöch (Hrsg.), Daniel Schlör (Hrsg.)

Digital Stylistics in Romance Studies and Beyond

Die digitale Stilistik ist ein Forschungsbereich an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft, Linguistik, Digital Humanities und Computational Literary Studies. Sie ist mit der computergestützten und statistischen Analyse des literarischen Stils sowie des Stils im Sprachgebrauch befasst. In diesem Band finden sich Forschungsarbeiten zur digitalen Stilistik aus der Romanistik und darüber hinaus, die zu neuen Methoden und Anwendungen in verschiedenen Sprachkontexten und Literaturen beitragen. Alle Forschungsergebnisse basieren auf der empirischen, computergestützten Analyse literarischer Korpora, die ausgewählt wurden, um Gattungen oder Untergattungen der Lyrik, des Dramas und der Prosa vom 19. bis zum 21. Jahrhundert zu analysieren.

Harald Hauptmann, Luca Maria Olivieri (Hrsg.)

Lords of the Mountains: Pre-Islamic Heritage along the Upper Indus in Pakistan

Mit seiner maßgeblichen Monographie Lords of the Mountains. Pre-Islamic Heritage along the Upper Indus in Pakistan hat Harald Hauptmann seine jahrzehntelangen Forschungen in der Karakorum-Region Nordpakistans zu einem beeindruckenden Abschluss gebracht. Dieses Buch, das vor seinem plötzlichen Tod im Jahr 2018 fertiggestellt wurde, ist gewissermaßen das wissenschaftliche Vermächtnis der letzten Phase seiner Karriere. Herausgegeben wurde das Buch von Luca M. Olivieri von der Universität Ca' Foscari in Venedig, dem Leiter der ISMEO und der italienischen archäologischen Mission von Ca Foscari in Pakistan.

(Nach dem Vorwort von H. Parzinger)

Johannes Gerwien (Hrsg.), Ines Marberg (Hrsg.), Kristian Nicolaisen (Hrsg.)

Die kognitive Perspektive: Wie Menschen über die Welt sprechen.  Festschrift zu Ehren von Christiane von Stutterheim

Christiane von Stutterheim spannt in ihrer wissenschaftlichen Arbeit den Bogen von der Sprachtypologie über die Satz- und Textproduktion bis zu Fragen des Zweit- und Fremdsprachenerwerbs. Ihr besonderer Beitrag für die Forschung liegt in der Betonung  der Linguistik als wichtige Teildisziplin der Kognitionswissenschaften. Die Festschrift versucht mit ihren Beiträgen die Breite von Christiane von Stutterheims Forschungstätigkeit widerzuspiegeln.

Radmila Mladenova (Hrsg.)

Counterstrategies to the Antigypsy Gaze

Wie sich dem Antiziganismus im Film begegnen lässt, ist Thema des vorliegenden Sammelbandes. Ziel ist es, den Fokus weg von der Antiziganismuskritik zu verlagern und die Diskussion über die künstlerischen Gegenstrategien zum Antiziganismus zu eröffnen, die die Notwendigkeit intertextueller, transkultureller und transmedialer Ansätze bei der Analyse hervorhebt. Die Beiträge stellen die Anwendbarkeit der Forschungsergebnisse in den Vordergrund und bieten eine breite Palette an Beispielen, die für Filmemacher und Fachleute aus der Filmindustrie nützlich sein könnten.

Der Band dokumentiert die Fallstudien des internationalen Workshops “Artistic Alternatives to the Antigypsy Gaze“, der 2021 in Heidelberg stattfand.

Carsten Wergin (Hrsg.), Stefanie Affeldt (Hrsg.)

Digitising Heritage: Transoceanic Connections between Australia and Europe

„Digitising Heritage“ versammelt neue interdisziplinäre Studien zu den verschiedenen digitalen Erscheinungsformen Kulturellen Erbes in Museen, akademischen Institutionen, Politik und Geschichte. Die Beiträge stammen unter anderem aus den Bereichen Archäologie, Forensik, Medienwissenschaft, Klangforschung, Literaturwissenschaft, Migrationsforschung, Museumswissenschaft, Physik, Postkoloniale Studien und Recht. Wie können Forscher:innen und Praktiker:innen digitale Technologien effektiv nutzen und ein nachhaltiges Engagement für Kulturerbe in der Gesellschaft fördern? Inwieweit können kritische Konzepte von Kulturerbe im digitalen Zeitalter ihren Ausdruck finden? Der Band beantwortet diese Fragen in einem multimedialen Format, das Audio-, Video-, 3D-Grafiken und -Technologien kombiniert.

Ulrich Friedrich Opfermann

„Stets korrekt und human“: Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma

Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang vernachlässigten Bereich der justiziellen Aufarbeitung des NS-Systems: dem Umgang mit den Verbrechen an den Sinti und Roma in westdeutschen NSG-Verfahren unter Einbezug des Tatraums Osteuropa. Die akribisch recherchierte Studie stellt zahlreiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraussetzungen des westdeutschen justiziellen Sonderwegs, zeichnet den Verfahrensgang nach und fragt nach den Rollen der Beschuldigten und Zeugen sowie des Justizpersonals. Im Mittelpunkt steht das als Großverfahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammelverfahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das entgegen seinem Anspruch kaum Resonanz entfaltete und heute weitgehend vergessen ist.

Karolin Bove

Im Geisteskampf: Der Verlag Philipp Reclam jun. 1933–1945

Dem Verlag Philipp Reclam jun. kommt als einem bildungsbürgerlichen Idealen verpflichteten und in Volksbildung und Schule fest verankerten Traditionshaus eine exponierte Rolle in der öffentlichen Meinungsbildung und in gesellschaftlich-politischen Diskursen zu. Das vorliegende Buch beleuchtet die wirtschaftliche Entwicklung und das unternehmerische Handeln des Verlags in der Zeit von 1933 bis 1945 und arbeitet anhand einer systematischen Analyse der Programmentwicklung heraus, wie sich der Reclam Verlag im Kultursystem des Nationalsozialismus positionierte. An der Schnittstelle von Medien- und Zeitgeschichte, Buchwissenschaft und Verlagskunde verbindet die Studie historisch-hermeneutische und sozialwissenschaftliche Methoden.

Christiane Brosius (Hrsg.), Jeroen de Kloet (Hrsg.), Laila Abu-Er-Rub (Hrsg.), Melissa Butcher (Hrsg.)

Being Single in the City: Cultural Geographies of Gendered Urban Space in Asia

Was bedeutet es, eine alleinstehende Frau in Indien oder China zu sein? Singles sind auf dem Vormarsch, auch in Asien. Es gibt eine ambivalente Faszination für die alleinstehende Frau als neuen Typus der selbstbewussten, kompetenten „Lifestyle-Surferin“ und engagierten Karrieremacherin. Und doch wird die alleinstehende Frau auch stigmatisiert, diskriminiert oder als jemand stereotypisiert, der soziale Normen herausfordert. Orte sind wichtig für das Singledasein: dieses Buch konzentriert sich insbesondere auf urbane Räume Indiens, des chinesischen Festlandes und Hongkongs. Schließlich manifestieren sich hier soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Transformationen, werden neue Lebensmöglichkeiten erprobt und lebhaft diskutiert.

Jan Lutteroth

Die Münchner Residenz als kommentierte 3D-Rekonstruktion: Eine Analyse der räumlichen und funktionalen Entwicklung im Gefüge der Stadt zwischen 1467 und 1614

Die vorliegende Arbeit bietet eine neue Synthese der architekturgeschichtlichen Entwicklung der Münchner Residenz und ihres urbanistischen Umfeldes zwischen der Mitte des 15. Jahrhunderts und dem Vorabend des Dreißigjährigen Krieges. Sie beruht vor allem auf einer erstmals systematischen und vollständigen Auswertung der schriftlichen und bildlichen Quellen und ihrer Kombination mit dem Baubestand. Dazu implementiert sie auch neue Methoden der digitalen Kunstgeschichte in Form von kommentierten und quellenkritischen 3D-Rekonstruktionen einzelner Bauperioden.

Kurt Weissen, Kristina Mundall (Übers.), Nigel Stephenson (Übers.)

Florentine Banks in Germany: The Market Strategies of the Alberti, Medici, and Spinelli, 1400–1475

"Florentinische Banken in Deutschland" bietet eine Untersuchung der Marktstrategien, die von den florentinischen Bankiersfamilien Alberti, Medici und Spinelli zwischen 1400 und 1475 angewandt wurden. Kurt Weissen zeigt auf, wie diese Kaufleute die Herausforderungen und Chancen des deutschen Marktes nutzten und Finanztransfers zwischen Deutschland und der römischen Kurie ermöglichten. Durch den Einsatz fortschrittlicher Bankpraktiken spielten sie eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des mittelalterlichen Handels und Finanzwesens und hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaftssysteme der Frühen Neuzeit, insbesondere im Bereich des Handels und Bankwesens.

Der Band ist auch in einer deutschsprachigen Version erhältlich https://doi.org/10.17885/heiup.675

Bernd Carqué

Bilder von Überresten: Eine visuelle Gedächtnisgeschichte des Mittelalters im Frankreich der Neuzeit und Moderne

Vom Mittelalter sind nur Überreste geblieben. Sie verkörpern eine Epoche, die in Neuzeit und Moderne vielfältige historische, politische und kulturelle Bedeutungszuweisungen erfahren hat, an denen neben Texten auch Bilder beteiligt waren. Materielle Relikte vom Schwertknauf bis zur Kathedrale stehen uns in visuellen Repräsentationen der Graphik, Photographie oder Buchillustration vor Augen. Durch die Transformationsprozesse gezielter künstlerischer Aneignung und medialer Übertragung nehmen dort nicht nur die Überreste selbst, sondern auch die Sicht- und Verständnisweisen Gestalt an, denen die Vergangenheit unterliegt. Diesem Zusammenhang spürt das Buch am Beispiel Frankreichs von der Druckgraphik des ausgehenden 16. Jahrhunderts bis zur Computersimulation des beginnenden 21. Jahrhunderts nach. Es entwirft eine visuelle Gedächtnisgeschichte des Mittelalters an der Schnittstelle von Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaft.

Anne Greule

Prediger der Transformation: Alain von Lille und die Pariser Schulen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts

Um 1200 entstand in Paris eine neue Institution des Lehrens und Lernens: die Universität. Doch wie kam es dazu, dass Lehrende sich zu einer Gemeinschaft zusammenschlossen und ihre Tätigkeit reglementierten? Ein bislang unterschätzter Akteur in diesem Transformationsprozess war der Magister Alain von Lille, dessen Predigtwerk hier erstmals umfassend vor diesem Hintergrund ausgewertet wird. Anders als lange angenommen, war er kein in die Jahre gekommener Gelehrter, der das Ende des alten Bildungsideals beklagte. Vielmehr versuchte er die im Wandel begriffenen schulischen Gemeinschaften zu stabilisieren, indem er sie auf gemeinsame Ziele, Methoden und Werte verpflichtete.

Björn Malte Schäfer

Statistical Physics: Linking the Microscopic with the Macroscopic World

Statistische Physik ist die mikroskopische Theorie, die den thermodynamischen makroskopischen Eigenschaften physikalischer Systeme zugrunde liegt. Diese Lecture Notes sind eine Einführung in die notwendigen statistischen und mechanischen Konzepte, die für die Thermodynamik im Gleichgewicht und die Konstruktion von Zustandssummen benötigt werden. Die Lecture Notes decken die klassische Statistik und die Quantenstatistik ab und behandeln weiterführende Themen wie die Langevin-Dynamik, die Fokker-Planck-Gleichung und Phasenübergänge. Dabei werden viele Systeme wie ideale klassische und relativistische Gase detailliert ausgearbeitet.

Die 1. Auflage ist unter https://doi.org/10.17885/heiup.1058 erschienen.

Björn Malte Schäfer

Electrodynamics: Charges, Fields, Relativity and Geometry

Die Elektrodynamik bildet einen Grundstein jeder modernen Ausbildung in theoretischer Physik, da sie ein geometrisches Bild der Naturgesetze vermittelt und von der Relativitätstheorie durchdrungen ist. Ausgehend von der grundlegenden Phänomenologie der Maxwell-Gleichungen, behandelt das Skript die Konstruktion von Green-Funktionen zur Lösung von Potenzialproblemen, um sich dann der Dynamik des elektromagnetischen Feldes und den Poynting-Theoremen zu widmen. Die Retardierung führt zum Begriff des Lichtkegels, zur Entstehung der Relativitätstheorie und schließlich zu einer kovarianten Formulierung der Maxwell-Gleichungen. Eichtransformationen werden ausführlich behandelt, ebenso das Verhalten der Maxwell-Gleichung unter diskreten Symmetrien.

Priscilla Pfannmüller

Hofkunst im Zeichen des Humanismus: Künstlerische Innovation und Intellektualisierung im Umkreis Herzog Ludwigs IX. von Bayern-Landshut (1450–1479)

Der Hof Herzog Ludwigs IX. von Bayern-Landshut (reg. 1450–1479) war einer der einflussreichsten und schillerndsten Höfe seiner Zeit. Das Buch analysiert vor der Folie humanistischer Diskurse ausgewählte Architekturen und Kunstwerke, die am Hof Ludwigs IX. und in dessen Umkreis entstanden. Im Fokus der Analyse steht der Transfer dieser Diskurse und ihre künstlerische Umsetzung. Am Beispiel von drei Kernthemen des Humanismus – der Entdeckung des Individuums, der Landschaft und der Geschichte – wird gezeigt, wie von den oberitalienischen Universitätsstädten durch sogenannte Gelehrte Räte humanistische Diskurse nach Landshut gelangten und dort künstlerisch umgesetzt wurden.

Antonio Antonetti (Hrsg.), Andrea Casalboni (Hrsg.)

Il Regno di Sicilia e i suoi confini: Gli spazi frontalieri nel Mezzogiorno medievale

Unter dem Stichwort „Grenze“ lässt sich ein breites Spektrum von Phänomenen zusammenfassen: geographische Grenzen, politische Abgrenzungen, militärisch kontrollierte Gebiete und durchlässige Interaktionsbereiche. Dieser Band wirft einen interdisziplinären Blick auf den Grenzraum als Ort des Kontakts und der Konfrontation, als Gebiet des friedlichen und gewaltsamen Austauschs und der Mobilität von Ideen und Menschen, in dem die sozialen Akteure den Raum als strukturelles Element zur Organisation oder Anpassung ihrer Existenz nutzen. In diesem Buch wird mit der Erforschung der Institutionengeschichte von Landgrenzen und der Dynamiken maritimer Grenzen sowie deren kommerziellen, politischen und sozialen Auswirkungen der Fall des süditalienischen Mezzogiorno zwischen dem 11. und dem 15. Jahrhundert untersucht.

Alexander Nicolai Wendt (Hrsg.), Daniel V. Holt (Hrsg.), Lisa von Stockhausen (Hrsg.)

Komplexität und Problemlösen: Festschrift für Joachim Funke zum 70. Geburtstag

Komplexität und Problemlösen sind Schlüsselwörter, die in der kognitions- und denkpsychologischen Forschung der letzten Jahrzehnte ihre Bedeutung entfaltet haben. Joachim Funkes psychologisches Werk ist mit beiden Begriffen eng verbunden. In seinem Denken über komplexes Problemlösen laufen verschiedene Forschungsrichtungen zusammen, etwa Handlungspsychologie, Systemtheorie und die computationale Theorie des Problemlösens. Der Band versammelt vielfältige Beiträge aus diesem Forschungszusammenhang, seien es biografische Kommentare, wissenschaftliche Essays oder Originalbeiträge.

Stefan Schröder

Welt-Wissen und kartografische Repräsentation: Arabisch-islamische und lateinisch-christliche Verflechtungen im Mittelalter

Die interdisziplinäre Studie geht der kontrovers diskutierten Frage nach, ob und wie geografisches und kulturelles Wissen aus dem arabisch-islamischen Kulturraum von europäischen Kartenmachern genutzt wurde. Die kontextuelle Analyse kartografischer Repräsentationen – von diagrammatischen TO- und Klimazonenkarten bis zu detaillierten Welt- und Portolankarten – sowie begleitender Quellentexte vom 10. bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts zeigt die komplexe Dynamik der Wissensvermittlung, die weder linear noch durchgängig verlief.

Dem spatial turn folgend, werden Karten als hybride, soziokulturelle Zeugnisse zur Konzipierung von Räumen und Weltvorstellungen verstanden, mit denen vielfältige Interessen verfolgt wurden.

Miriam Noël Haidle (Hrsg.), Martin Porr (Hrsg.), Sibylle Wolf (Hrsg.), Nicholas J. Conard (Hrsg.)

Images, Gestures, Voices, Lives. What Can We Learn from Paleolithic Art?

Das Konzept der „paläolithischen Kunst“ und ihre Erforschung haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Der moderne Begriff der „Kunst“ ist kulturübergreifend und diachron problematisch. Das Phänomen lässt sich nicht auf die materielle visuelle Kultur reduzieren, sondern hat auch akustische, haptische und andere dynamische Aspekte. Sie muss als eine Vielfalt von Prozessen verstanden werden, die sowohl das Alltägliche als auch das Außergewöhnliche umfassen können. In diesem Band nähern sich Archäologen, Philosophen und Anthropologen der „paläolithischen Kunst“ aus verschiedenen Blickwinkeln, einschließlich ihrer Konzeptualisierung, Ästhetik, Beziehungen zur Kunstgeschichte und zur Art brut. Die Beiträge befassen sich mit der Herausforderung durch die Materialität, mit evolutionären Aspekten, mit der körperlichen Nachstellung durch Schauspieler und digitalen Technologien als Mittel zur Interpretation von Kunstobjekten sowie mit dem Schutz des kulturellen Erbes. Der Band bietet innovative Einblicke in vergangene Praktiken und zeitgenössische Ideen und Ansätze im Zusammenhang mit der paläolithischen Kunst, die auf sorgfältiger empirischer Forschung in Verbindung mit reflektierten und anspruchsvollen theoretischen Ansätzen basieren.

Julia Burkhardt (Hrsg.), Isabel Kimpel (Hrsg.)

Caesarius von Heisterbach: Libri VIII miraculorum – Die „Acht Wunderbücher“: Auswertung, Edition, Übersetzung und Kommentar

Der Zisterziensermönch Caesarius von Heisterbach (ca. 1180–1240) gehört zu den bekanntesten Autoren des Mittelalters. Seine „Acht Wunderbücher“ (Libri VIII miraculorum) sind eine Sammlung von Material zur Belehrung, Erbauung und Abschreckung: Erzählungen über Heilige und Dämonen, über Menschen und Tiere, über kleine Wunder und große Unglücke. In seinen Geschichten nimmt Caesarius das Publikum mit auf eine Reise, die vom Rheinland bis ins Baltikum und nach Jerusalem führt. So entsteht ein facettenreiches Panorama der politischen, sozialen und religiösen Entwicklungen im 13. Jahrhundert.

Die Neu-Edition der „Acht Wunderbücher“ bietet eine kommentierte Fassung des lateinischen Textes, erstmals eine deutsche Übersetzung sowie eine Auswertung des Werkes und seiner handschriftlichen Überlieferung.

Lara Fabian (Hrsg.), Kathrin Leese-Messing (Hrsg.), Eli J.S. Weaverdyck (Hrsg.), Lauren Morris (Hrsg.), Mamta Dwivedi (Hrsg.)

Economies of the Edge: Frontier Zone Processes at Regional, Imperial, and Global Scales (300 BCE–300 CE)

Dieser Band eröffnet eine neue Perspektive auf die trans-eurasische Konnektivität zwischen 300 v. Chr. und 300 n. Chr. Im Fokus stehen Grenzräume als zentrale Schauplätze wirtschaftlicher Interaktion und Transformation. Jenseits klassischer Zentrum-Peripherie-Modelle und statischer Vorstellungen von „Seidenstraßen“-Routen untersuchen die Beiträge, wie imperiale Expansion, regionale politische Ökonomien und dezentrale Handelsnetzwerke den Fernhandel prägten. Archäologische, textliche und numismatische Fallstudien zeigen Grenzregionen als dynamische Räume von Innovation, Aushandlung und interimperialer Verflechtung.

Michael Werner

Diesseits und jenseits der Nation: Deutsch-französische Verflechtungen 1815-1870

Das 19. Jahrhundert gilt als Zeitalter der Verwandlung. In Deutschland und Frankreich ist der Zeitraum von 1815 bis 1870 von vielfältigen politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen bestimmt, die mit dem Prozess der Nationsbildung zu tun haben. Der Fokus des Bandes liegt jedoch nicht auf nationalen Entwicklungspfaden. Vielmehr beleuchtet er, im Sinne einer histoire croisée, transnationale Verflechtungen, die Frankreich und Deutschland wechselseitig geprägt haben. Dabei wird gezeigt, wie sich die Prozesse auf vielfältigen Ebenen entfalteten: von Politik und Wirtschaft über Bildung und Forschung bis hin zu Medien, Vereinen und den Künsten. Auch prä- und postnationale Entwicklungen werden in den Blick genommen. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das die bisherigen Vorstellungen einer „Erfindung der Nation“ zugleich erweitert und relativiert.

Helena Jaskov

Negotiating States of Mind: The Transformation of Psychiatric Knowledge in Imperial Germany and Meiji Japan

Negotiating States of Mind untersucht den Niedergang  von ‚Melancholie‘ als wissenschaftlichem Begriff und zeichnet die konzeptuellen Umbrüche nach, die das psychiatrische Denken im späten 19. Jahrhundert grundlegend verändert haben. Der Rahmen ist globalgeschichtlich. Die Studie setzt mit der Einführung  europäischer psychiatrischer Konzepte und Diagnosepraktiken im Meiji-zeitlichen Japan an und zeigt auf, wie gesellschaftliche Hierarchien, institutionelle Zwänge und quantitative Methoden das Verständnis von Geisteskrankheiten weltweit nachhaltig geprägt haben. Anhand detaillierter Fallstudien geisteskranker Soldaten aus dem Russisch-Japanischen Krieg (1904-05) untersucht sie zudem die praktischen Auswirkungen diagnostischer Verschiebungen auf die Vergabe von Invalidenrenten und weist somit auf die direkten Folgen konzeptueller Veränderungen hin.

Judith Utz

Exultet in Material und Raum: Süditalienische Exultet-Rollen als raumkonstituierende Medien

Exultet iam angelica turba coelorum!  – Frohlocket, ihr Chöre der Engel! – mit diesen Worten setzt das Osterlob ein; sein Eingangswort Exultet gab den Manuskripten, auf denen das Lob als zentraler Bestandteil der Osterliturgie notiert war, seinen Namen. Die zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert vor allem in Apulien und Kampanien entstandenen Exultet-Rollen kombinieren Schrift, Bild und musikalische Notation in einzigartiger Weise.

Das Buch untersucht erstmals materielle und mediale Besonderheiten der Rollen aus interdisziplinärer Perspektive, indem es nicht nur die Objekte selbst, sondern auch ihre Nutzung und Wahrnehmung in der beneventanischen Liturgie in den Blick nimmt. Es wird gezeigt, inwiefern die Rollen visuell, auditiv und olfaktorisch zur Konstitution liturgischer und sozialer Räume beitrugen.

Anton Kirchhofer (Hrsg.), Karsten Levihn-Kutzler (Hrsg.)

Science, Culture, and Postcolonial Narratives

Vom Klimawandel bis zu globalen Pandemien – die widersprüchliche Rolle der Naturwissenschaft in postkolonialen Kontexten betrifft einige der drängendsten Fragen, mit denen sich postkoloniale Gesellschaften konfrontiert sehen. Naturwissenschaften sind Teil der Geschichte kolonialer Unterdrückung, aber auch mit der Hoffnung auf Fortschritt und Emanzipation verbunden; sie können zur Zerstörung, aber auch zur Erhaltung der Umwelt beitragen. Dieser Band befasst sich mit der kulturellen Imagination der Wissenschaft und problematisiert die Rolle von Narrativen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften und Kultur. In einem Brückenschlag zwischen postkolonialen Studien, Literature and Science Studies und verwandten kritischen Traditionen untersuchen die Beiträge kulturelle Narrative und literarische Texte von Utopien des 19. Jahrhunderts über postkoloniale Wissenschaftsromane bis hin zu zeitgenössischer Science Fiction.

Alexander Faschon

»Ernsthafte Genauigkeit und ehrende Strenge«: Musikkritik und -analyse um 1800

Die Studie untersucht Werkanalysen in deutschsprachigen Musikzeitschriften der 1760er- bis 1820er-Jahre unter besonderer Berücksichtigung ihres publizistischen und theoretischen Kontextes. Wie kaum ein anderes Format jener Zeit bündeln diese Texte den Facettenreichtum des Nachdenkens über Musik: Überlegungen zu Ästhetik, Theorie und Geschichte der Musik gehen in vielen Werkkritiken miteinander einher, die Analyse fungiert als Demonstrationswerkzeug für diese vielfältigen Beziehungen. So sind die musikkritischen Werkanalysen um 1800 nicht nur Konzentrate musikalischer Diskursfelder der Zeit, sondern geben zudem Aufschluss über eine wichtige Phase in der Geschichte der musikalischen Analyse und Interpretation.

Pavan Kumar Malreddy (Hrsg.), Frank Schulze-Engler (Hrsg.), Kathrin Bartha-Mitchell (Hrsg.)

Contested Solidarities: Agency and Victimhood in Anglophone Literatures and Cultures

Dieser Sammelband befasst sich mit vielfältigen Formen der Unterdrückung und den von ihr Betroffenen im Globalen Süden, ohne auf eine vorauseilende Normativität zurückzugreifen, die eine sofortige Identifizierung von Opfern und Tätern verspricht. Er erforscht kritische, selbstreflexive und ‚entzauberte‘ Formen von Solidarität, im Kontrast zu organischen, pauschalisierten oder ‚verzauberten‘ Solidaritäten. Darüber hinaus werden Literatur und Kultur jenseits des gewohnten viktimologischen Rahmens als Schauplätze widerspenstiger, unerwarteter und unvorhersehbarer Handlungsmöglichkeiten untersucht. Die Aufsatzsammlung liefert dafür beeindruckende Beispiele, die sich mit einer breiten Palette von Erzählformen befassen – von Romanen, Kurzgeschichten, Life Writing und Gedichten bis hin zu Performances, Dokumentarfilmen, Filmen und Museumsausstellungen – und eine ebenso breite Palette von Kontexten abdecken: von Kamerun, Äthiopien, Ghana und Indien über Kenia, den Nahen Osten, Polen und Sri Lanka bis hin zu Südafrika, Großbritannien, den USA und Simbabwe.

Michel Wensing, Charlotte Ullrich

Process Evaluation of Interventions in Healthcare: An Introduction to Concepts, Methods, and Practices

Prozessevaluation beschreibt und untersucht Prozesse, welche die Ergebnisse von Interventionen beeinflussen. Im Gesundheitswesen zielen viele Interventionen darauf ab, die Gesundheit von Patient*innen und Bevölkerungsgruppen zu verbessern oder Änderungen in Gesundheitsdienstleistungen umzusetzen. Die Prozessevaluation befasst sich mit der Akzeptanz solcher Interventionen, ihren Komponenten und den Determinanten der Ergebnisse der Interventionen. Die Ergebnisse der Prozessevaluation helfen dabei, die Wirksamkeit von Interventionsmaßnahmen zu interpretieren, ihre Gestaltung und Durchführung zu optimieren und die Übertragbarkeit auf andere Settings zu beurteilen. Dieses Buch bietet eine Einführung in die Konzepte, Methoden und Praktiken der Prozessevaluation im Gesundheitswesen.

Jort Blazejewski

»Émigrés« an der Grenze: Flucht, Exil und Migrationsregime in Frankreich und Westeuropa im Zeitalter der Revolutionen 1789–1815

In den Wirren der Französischen Revolution entschlossen sich zehntausende Menschen zur Flucht in das grenznahe Ausland. Wer waren diese Flüchtlinge, die seit 1789 von den Revolutionären unter der Bezeichnung émigrés geächtet wurden? Wie gelang es ihnen, die Grenze zu überqueren und im Exil zu überleben? Welche Mittel setzten Frankreich und seine Nachbarstaaten ein, um diese Mobilität zu kontrollieren? Jort Blazejewski untersucht Motive, Verläufe und Erscheinungsformen dieser Gewaltmigration anhand zahlreicher Quellen. Die Studie eröffnet neue Perspektiven auf eine der größten Fluchtbewegungen der Vormoderne und deckt unbekannte Krisenerscheinungen des europäischen Revolutionszeitalters auf.

Nikolaus Dietrich (Hrsg.), Rebecca Müller (Hrsg.), Mandy Telle (Hrsg.)

Künstlersignatur und Artefakt: Schriften, Materialien, Praktiken aus transkultureller Perspektive. 6. Jh. v. Chr. bis 15. Jh. n. Chr.

In der umfangreichen Forschung zu Signaturen von Künstlern und Künstlerinnen wurde den materialen, topologischen und praxeologischen Dimensionen bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Der vorliegende Band schlägt eine Verschiebung des Erkenntnisinteresses von einer Fokussierung auf den Text hin zu Präsenzeffekten und Praktiken vor. Er untersucht kulturübergreifend die Bezüge von Text, Schrift, Material, Technik und Bild zu den sakralen und profanen Handlungen, in denen die namenstragenden Artefakte eingebunden waren. Das spezifische Potential von Signaturen wird darin deutlich, wie sie Präsenz als wirksame Anwesenheit behaupten: Sie können zu Betrachtung und Gebrauch auffordern und dies mit Selbstreflexion und Ansprache, oft dem Spiel mit dem Betrachter, verbinden, nicht zuletzt dadurch, dass sie die Materialien und Techniken thematisieren, die das Aussehen des Artefakts bestimmen. 

Benjamin Beuerle (Hrsg.), Sandra Dahlke (Hrsg.), Anna Mazanik (Hrsg.), Andreas Renner (Hrsg.)

Environments, Resources, and Infrastructures Between Russia and the Asia-Pacific

Der Band versammelt interdisziplinäre Studien zur Umweltgeschichte, Ressourcenpolitik und Infrastruktur im nordpazifischen Raum und umfasst einen Zeitraum vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Von frühen kolonialen Begegnungen bis zu postsowjetischen transnationalen Kooperationsprojekten, von Jagd und Walfang bis zur Öl- und Gasgewinnung, von imperialem Naturschutz bis zum Klimawandel bietet die Sammlung neue Perspektiven auf die Geschichte einer Region, die zunehmend ins Zentrum globaler ökologischer und strategischer Debatten rückt.

Gösta Gantner (Hrsg.), Wolfgang-Michael Klein (Hrsg.), Thorsten Moos (Hrsg.)

Reflexionsvertrauen: Eine Festschrift zu Ehren von Klaus Tanner

Als Festschrift für den langjährigen Heidelberger Ordinarius für Systematische Theologie (Ethik), Prof. Dr. Klaus Tanner, versammelt der Band Beiträge aus dem Kreis der Kolleg:innen, Schüler:innen und engen Weggefährt:innen. In exemplarischen Schlaglichtern behandeln sie das weite Spektrum von Grundthemen der Forschung und Lehre Klaus Tanners. Insgesamt zeichnet sich darin der Grundriss einer theologischen Ethik ab, die in spezifischer Weise auf die Vertrauenswürdigkeit von Reflexion setzt.

Olivier Richard

La ville jurée: Serment et gouvernement dans les villes du Rhin supérieur à la fin du Moyen Âge

Um Vertrauen und Solidarität zu schaffen und die Bevölkerung zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit zu bewegen, banden die Städte von Konstanz bis Straßburg im Spätmittelalter Bürger und andere Einwohner in Eidesbeziehungen ein. Die Untersuchung der Eidesrituale zeigt zwar, dass die Stadt keine conjuratio gleichberechtigter Bürger, sondern eine stark hierarchisch strukturierte Gesellschaft war. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Eid seine Bedeutung verloren hätte. Indem der Eid in den Kontext einer städtischen Kultur gestellt wird, die von kirchlichen und kaiserlichen Gesetzen und Praktiken geprägt war, und indem untersucht wird, wie er sich in den umfassenden Prozess der Verschriftlichung städtischer Herrschaft einfügte, widerlegt dieses Buch die Vorstellung von seinem Niedergang und gibt ihm seine Plastizität und politische Wirksamkeit zurück.

Axel Michaels, Xu Yunheng

Who Won the Sino-Nepalese War of 1791–1792? A Study in Transcultural Complexity

Das Buch behandelt die Geschichte des letzten Krieges zwischen Nepal und China-Tibet 1791/1792. Mit einer Fülle neu entdeckter und erstmalig edierter sowie übersetzter Texte aus Nepal, China und Tibet bildet der Band ein Handbuch zu den Quellen dieses chinesisch-nepalesischen Krieges. Im Mittelpunkt steht dabei die umstrittene Frage, wer den Krieg gewonnen hat. Im Lichte des neuen Materials wird die Kernthese entwickelt, dass sich beide Seiten zum Sieger erklären konnten, ohne dass dies von der jeweils anderen Seite stark bestritten wurde. Diese seltene Form einer Kriegsbeendigung war hauptsächlich durch die transkulturelle Komplexität und die unterschiedlichen Auslegungen der verwendeten Schlüsselbegriffe möglich.

Marcel Bubert (Hrsg.), Pia Claudia Doering (Hrsg.)

Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen

Das ‚postfaktische Zeitalter‘ sowie eine neuartige Bedrohung durch unkontrollierbare Fake News sind seit einigen Jahren zentrale Bestandteile von Gegenwartsdiagnosen. Die Frage, wie historisch neuartig die damit verbundenen Phänomene tatsächlich sind, ist jedoch umstritten. Der vorliegende Band, der Beiträge aus der Geschichts- und der Literaturwissenschaft vereint, möchte eine grundlegende Klärung im Hinblick darauf leisten, ob bzw. in welcher Hinsicht von Fake News im Mittelalter die Rede sein kann. In einer theoretischen Einführung und anhand von Fallbeispielen wird untersucht, inwieweit sich strukturelle Analogien für die Konstellation von Phänomenen, die aktuell als Fake News bezeichnet werden, im europäischen Mittelalter ausmachen lassen und wo die heuristischen Grenzen eines solchen Anachronismus liegen.

Giuseppe Cusa (Hrsg.), Florian Hartmann (Hrsg.)

I Comuni cittadini italiani: Protagonisti – artefatti – processi

Der Band bündelt jüngere Forschungstendenzen, indem er die italienischen Stadtkommunen anhand der Leitbegriffe „Akteure“, „Artefakte“ und „Abläufe“ untersucht. Mit diesen Analysekategorien werden gezielt aktuelle, besonders dynamische Forschungsansätze aufgegriffen, um kommunale Entwicklungen neu zu perspektivieren. Indem die Beiträge bislang übersehene Interdependenzen und Interaktionsräume sowie bisher vernachlässigte Kommunikationskanäle und Transformationen sichtbar machen, ermöglichen sie ein besseres Verständnis für Beziehungsgeflechte und Prozesse des kommunalen Alltags.

Malini Ambach

Multifarious Sacred Geographies: Kanchipuram Through Its Sanskrit Sthalamāhātmyas

Multifarious Sacred Geographies beleuchtet eingehend die Sakralgeographie der südindischen Tempelstadt Kanchipuram. Die besonders vielfältige religiöse Landschaft Kanchipurams mit ihren über vierhundert Tempeln wird in zahlreichen Sanskrit- und Tamil-Texten bezeugt, die die Stadt verherrlichen. Malini Ambach untersucht drei dieser verherrlichenden Sanskrit-Sthalamāhātmyas zum ersten Mal detailliert und im Vergleich zueinander hinsichtlich ihrer Darstellung der literarischen Geographien Kanchipurams. Die Sthalamāhātmyas verknüpfen Mythologie mit lokaler physischer Landschaft und beschreiben, jeweils von der Perspektive einer bestimmten religiösen Tradition geprägt, denselben heiligen Raum, Kanchipuram, wobei sie gemeinsame und widersprüchliche Vorstellungen von der Tempelstadt konstruieren.

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