Agonale Invektivität
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Gramsch-Stehfest, Robert: "Nemo alteri dicat convicia turpia inhonesta seu alia", in: Israel, Uwe, Kraus, Marius und Sasso, Ludovica (Hrsg.): Agonale Invektivität: Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung im italienischen und deutschen Humanismus, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2021 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 17), S. 193-208. https://doi.org/10.17885/heiup.862.c11482

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Identifikatoren (Buch)
ISBN 978-3-96822-088-8 (PDF)
ISBN 978-3-96822-087-1 (Hardcover)

Veröffentlicht am 16.09.2021.


Robert Gramsch-Stehfest

"Nemo alteri dicat convicia turpia inhonesta seu alia"

Die scholastische Streitkultur der Universitäten und die Humanisten

Zusammenfassung Der Beitrag skizziert, ausgehend vom „Erfurter Poetenstreit“ um 1513, die von zunehmender po­lemischer Zuspitzung geprägte Streitkultur an den deut­schen Universitäten im Zeitalter des Humanismus. Die humanistische Invektive im akademischen Rahmen wird gedeutet als ein Instrument der Durchsetzung als soziale Gruppe in einer Umwelt, in welcher sich die Humanisten langsam „von Outsidern zu Insidern“ (Eckhard Bernstein) hocharbeiteten. Zur weiteren Einordnung dieser Befunde wird die Rolle des Streites und des Streitens in der scholas­tischen Wissenschaft diskutiert. In dieser stellte die dispu­tatio eine zentrale Erkenntnis- und Kommunikationsform dar, welche jedoch durch Regeln und Rituale gebändigt wurde. Der Aufsatz schlägt den Bogen von Petrus Abaelar­dus (12. Jahrhundert), der vor Invektiven keineswegs zurückschreckte, zu den restriktiven normativen Bestim­mungen zur Streitkultur an der spätmittelalterlichen Uni­versität. Das scholastische Verbot polemischer Auseinan­dersetzungen sollte nicht zuletzt die Würde der Gelehrten und den Geltungsanspruch der von ihnen repräsentierten Wissenschaft sichern. Humanisten, die sich untereinander oder ihre scholastischen Kollegen beschimpften und lä­cherlich machten, setzten dieses gut eingespielte System einer schweren Belastung aus, bildeten damit aber zugleich einen Teil eines tieferliegenden Wandlungsprozesses der akademischen Lebensform insgesamt.