Agonale Invektivität
Zitierempfehlung (Kapitel)

Peterlini, Giuseppe: "Scherzi di donne ignude", in: Israel, Uwe, Kraus, Marius und Sasso, Ludovica (Hrsg.): Agonale Invektivität: Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung im italienischen und deutschen Humanismus, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2021 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 17), S. 107-141. https://doi.org/10.17885/heiup.862.c11480

Weitere Zitierweisen
Lizenz

Dieses Werk ist unter der
Creative Commons-Lizenz 4.0
(CC BY-SA 4.0)
veröffentlicht.
Creative Commons Lizenz BY-SA 4.0

Identifikatoren (Buch)
ISBN 978-3-96822-088-8 (PDF)
ISBN 978-3-96822-087-1 (Hardcover)

Veröffentlicht am 16.09.2021.


Giuseppe Peterlini

"Scherzi di donne ignude"

Agostino Carraccis ‚Nymphe, kleiner Satyr und Kind‘ als invektive Bildparodie im künstlerischen Wettstreit mit den michelangiolisti

Zusammenfassung In der Literatur und in der bildenden Kunst der Frühen Neuzeit bestehen Laszivität, Humanis­mus, Invektivität und soziale, politische sowie künstleri­sche Kritik nebeneinander. Es verwundert daher nicht, dass Agostino Carracci in seinem pornografischen Kup­ferstich ‚Nymphe, kleiner Satyr und Kind‘ eine spöttische Bildparodie gegen die Verehrer von Michelangelo Buonar­roti schafft. Dadurch tritt Agostino mit den michelangio­listi in künstlerischen Wettstreit, um die Grundnormen ihrer Kunst sowie der Kunsttheorie von Giorgio Vasari schmähend herabzusetzen. Der Bologneser verwendet die Bildparodie als eine invektive Kommunikationsstrategie zur Konsensherstellung, zur Gruppenbildung und -aus­grenzung sowie zur Bloßstellung und Diskreditierung der Gegner. Mit dem Kupferstich ist daher eine markante Po­sitionierung Agostinos innerhalb der italienischen Kunst­szene in dem historischen Moment verbunden, in dem die Carracci ihre Malereireform in einem offenen, scharfen Konflikt mit den Prinzipien und den Vertretern des Manie­rismus durchsetzen.