Zitationsvorschlag

Oschema, Klaus: Fake News über das Morgen von gestern? Kontroversen über die Astrologie im späten Mittelalter, in Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia (Hrsg.): Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 22), S. 95–119. https://doi.org/10.17885/heiup.1552.c24223

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-204-2 (PDF)
ISBN 978-3-96822-205-9 (Hardcover)

Veröffentlicht

12.03.2026

Autor/innen

Klaus Oschema

Fake News über das Morgen von gestern?

Kontroversen über die Astrologie im späten Mittelalter

Der vorliegende Beitrag fragt am Bei­spiel der Kontroversen um die Astrologie im europäischen Spätmittelalter nach der Fruchtbarkeit des Konzepts Fake News für die mediävistische Forschung. Auf der Basis aus­gewählter Beispiele v. a. des 14. und 15. Jh. untersucht er aus dieser Warte exemplarisch die argumentativen Strate­gien der Vertreter und Verteidiger der Astrologie sowie ih­rer kritischen Widersacher. Ein besonderer Fokus liegt da­bei auf dem Umfeld des französischen Königshofs rund um die Zeit Karls V., in dem sich der Gelehrte Nicole Oresme wiederholt ausdrücklich gegen den Einfluss der Astrologie stellte. In seinem vernakularsprachlichen ‚Livre de divinaci­ons‘ zog Oresme nicht nur wissenschaftliche, logische und theologische Argumente heran, mit denen er die Astrologie als illegitimes und untaugliches System der Produktion von Wissen über die Zukunft darstellte. Darüber hinaus argu­mentierte er auch ad personam, indem er die (ungenannten) Vertreter der Astrologie als Betrüger brandmarkte. Im Sinne der übergreifenden Frage des vorliegenden Bandes wird hier deutlich, wie der Vorwurf, falsche ‚Wahrheiten‘ zu produzie­ren, von den Gegnern der Astrologie zur Delegitimation ihrer Konkurrenten mobilisiert wurde und welche Formen seine Umsetzung annehmen konnte.

Schlagwörter Astrologie; Fake News; Nicole Oresme; Frank­reich