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Fake News über das Morgen von gestern?
Kontroversen über die Astrologie im späten Mittelalter
Der vorliegende Beitrag fragt am Beispiel der Kontroversen um die Astrologie im europäischen Spätmittelalter nach der Fruchtbarkeit des Konzepts Fake News für die mediävistische Forschung. Auf der Basis ausgewählter Beispiele v. a. des 14. und 15. Jh. untersucht er aus dieser Warte exemplarisch die argumentativen Strategien der Vertreter und Verteidiger der Astrologie sowie ihrer kritischen Widersacher. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Umfeld des französischen Königshofs rund um die Zeit Karls V., in dem sich der Gelehrte Nicole Oresme wiederholt ausdrücklich gegen den Einfluss der Astrologie stellte. In seinem vernakularsprachlichen ‚Livre de divinacions‘ zog Oresme nicht nur wissenschaftliche, logische und theologische Argumente heran, mit denen er die Astrologie als illegitimes und untaugliches System der Produktion von Wissen über die Zukunft darstellte. Darüber hinaus argumentierte er auch ad personam, indem er die (ungenannten) Vertreter der Astrologie als Betrüger brandmarkte. Im Sinne der übergreifenden Frage des vorliegenden Bandes wird hier deutlich, wie der Vorwurf, falsche ‚Wahrheiten‘ zu produzieren, von den Gegnern der Astrologie zur Delegitimation ihrer Konkurrenten mobilisiert wurde und welche Formen seine Umsetzung annehmen konnte.
Schlagwörter Astrologie; Fake News; Nicole Oresme; Frankreich

