Zitationsvorschlag

Bulang, Tobias: Zur kommentierten Edition: Die Pseudoparacelsische Aurora Philosophorum, in Langkabel, Isabel et al. (Hrsg.): Editionswissenschaft – Textkritik – Digital Humanities: 25 Heidelberger Editionsprojekte, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Kulturelles Erbe: Materialität – Text – Edition (KEMTE), Band 7), S. 139–146. https://doi.org/10.17885/heiup.1634.c23596

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-338-4 (PDF)
ISBN 978-3-96822-339-1 (Hardcover)

Veröffentlicht

02.04.2026

Autor/innen

Tobias Bulang

Zur kommentierten Edition: Die Pseudoparacelsische Aurora Philosophorum

Abstract Die Aurora Philosophorum ist ein alchemischer Traktat über die transmutatio metallorum. Es liegen sowohl deutsche als auch lateinische Textzeugen vor. Die ältesten überlieferten Repräsentanten des Textes gehen ins letzte Drittel des 16. Jahrhunderts zurück. Überliefert sind fünf deutschsprachige Handschriften, die sich zwei Fassungen zuordnen lassen, sowie vier lateinische Drucke bis 1600, die alle vom oberrheinischen Paracelsisten Gerhard Dorn herausgegeben wurden. Johann Huser edierte eine deutsche Fassung dieses lateinischen Textes in seiner großen Paracelsusausgabe von 1605. Er hatte dazu die editio princeps des Textes (Basel: Thomas Guarin, 1577; wieder: 1581, 1583, 1584) entweder selbst übersetzt oder von einem Mitarbeiter ins Deutsche übersetzen lassen. Die beiden Druckausgaben von 1583 und 1584 waren durch lateinische Kommentare Dorns zum edierten Text ergänzt worden, die Huser nicht aufnahm, die auch noch nie übersetzt wurden und die in der Forschung noch keine Berücksichtigung fanden. Dorns Text ist nahe an der zweiten Fassung der handschriftlichen Überlieferung, aber die vorhandenen Exemplare kommen als direkte Vorlage für seine Übersetzung ins Lateinische nicht in Frage. Die erste Handschriftenfassung wird repräsentiert durch zwei Heidelberger Handschriften. Es handelt sich dabei um 1. Universitätsbibliothek Heidelberg Cod. Pal. germ. 600 (datiert: 1569); 2. Universitätsbibliothek Heidelberg Cod. Pal. germ. 303 (datiert: 1574). Diese Handschriften bieten einen umfangreicheren Text als der Druck von Dorn und die Übersetzung von Huser. Sie wurden bisher noch nie ediert. Ziel des Projektes ist den gesamten Überlieferungszusammenhang zu edieren sowie den längsten verfügbaren Text (den Heidelberger Codex Cod. Pal. germ. 600) mit einem Stellenkommentar zu versehen und den Komplex solcherart für weiterführende Studien wissens- oder wissenschaftsgeschichtlicher Art aufzuarbeiten. Durch den Stellenkommentar soll ermöglicht werden, den Text mit seinem historischen Kontext zu vernetzen und auch die intertextuelle Konstitution des Textes nachzuvollziehen. Man kann die Aufgabe des Kommentars historischer Texte als jene der Rekontextualisierung eines im Überlieferungsprozess von seinen Kontexten gelösten historischen Dokuments betrachten. Eine solche Verknüpfung des Textes zeigt aber in diesem Fall nicht nur die Bezüge zu anderen paracelsistischen Texten über Transmutationsalchemie in dieser Zeit, sondern leistet darüber hinaus die Vernetzung mit dem kulturellen Archiv der Epoche.

Keywords Early Modern period; Gerhard Dorn; alchemy; Paracelsianism; philosopher's stone