Zitationsvorschlag

Lieb, Ludger: Die digitale Neuedition einer ganzen Gattung als Grundlage neuer Fragestellungen: Zum Portal „Minnereden und Liebeslieder – digital“, in Langkabel, Isabel et al. (Hrsg.): Editionswissenschaft – Textkritik – Digital Humanities: 25 Heidelberger Editionsprojekte, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Kulturelles Erbe: Materialität – Text – Edition (KEMTE), Band 7), S. 89–97. https://doi.org/10.17885/heiup.1634.c23589

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-338-4 (PDF)
ISBN 978-3-96822-339-1 (Hardcover)

Veröffentlicht

02.04.2026

Autor/innen

Ludger Lieb

Die digitale Neuedition einer ganzen Gattung als Grundlage neuer Fragestellungen

Zum Portal „Minnereden und Liebeslieder – digital“

Abstract Das Portal Minnereden und Liebeslieder – digital auf der Plattform heiEDITIONS der Universitätsbibliothek Heidelberg bietet die Infrastruktur für ein großangelegtes Projekt der Edition und Texterschließung sämtlicher Dichtungen des 14. und 15. Jahrhunderts zum Thema der weltlichen Minne, die unter den modernen Gattungsbezeichnungen ‚Minnereden‘ und ‚Liebeslieder‘ gefasst werden. Thematisch bilden diese Texte die Fortsetzung des ‚klassischen‘ deutschen Minnesangs, den sie in ihrer Quantität und Vielfalt erheblich übertreffen. Allein zu den Minnereden zählen 579 verschiedene Texte, die einen Umfang von insgesamt ca. 160.000 Versen haben und in 210 Handschriften und 37 Drucken überliefert sind; rechnet man die Verse der Mehrfachüberlieferung hinzu (195 Minnereden sind in mehr als einer Handschrift überliefert; darunter Minnereden mit bis zu 20 Textzeugen) kommt man auf etwa 443.000 überlieferte Verse. Diese sollen langfristig komplett transkribiert und für eine digitale Neuedition aller Minnereden genutzt werden, die wiederum durch linguistische Annotationen so aufbereitet werden, dass sie auch neue (digitale) Fragestellungen ermöglichen. Während die Texterschließung der Minnereden als Grundlage einer digitalen Neuedition bereits weitgehend abgeschlossen ist (vgl. Klingner/Lieb 2013), fehlen im Bereich des spätmittelalterlichen Liebesliedes noch grundsätzliche Arbeiten, die in den kommenden Jahren ebenfalls angegangen werden sollen, etwa ein Verzeichnis aller Liebeslieder des 14. und 15. Jahrhunderts; auch die Editionslage (abgesehen von den unter Autornamen überlieferten Liebesliedern, z. B. von Oswald von Wolkenstein oder vom Mönch von Salzburg) ist desolat. Da die Minnereden dem Liebeslied sehr ähneln und auch oft in denselben Handschriften überliefert sind, ist es sinnvoll, beide Gattungen in Zukunft gemeinsam zu edieren und zu erforschen. Auch hierfür stellt das Portal die Infrastruktur bereit.

Keywords Middle Ages; digital edition; German Medieval Studies; Minnerede; love poetry