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Fakten schaffen
Ritualmord und making sense durch antijüdische Ausschreitungen
Wie kamen Menschen im 12. und 13. Jh. auf die Idee, Jüd:innen für den gewaltsamen Tod von Kindern verantwortlich zu machen und spontan zu töten und zu vertreiben? Die umfassende Forschung über Ritualmordvorwürfe hat bisher oft versucht, aus den widersprüchlichen schriftlichen Quellen konkrete Wege der Informationsvermittlung zu rekonstruieren. Dieser Artikel diskutiert die Fälle in Norwich, Fulda, Hagenau und Pforzheim mithilfe zweier Theorien aus dem Bereich der Kommunikationsforschung und kognitiven Psychologie: mithilfe von „FLICC“ für die Produktion und Legitimierung von Fake News sowie dem „illusory truth effect“. Die Methoden der Verifizierung und Legitimierung von Ritualmordvorwürfen ähneln denjenigen, die in kontemporären Diskussionen zur Leugnung des Klimawandels oder der Covid-19-Pandemie angeführt werden. Die Ritualmordvorwürfe werden damit im Rahmen eines komplexen Geflechts von antijüdischen Stereotypen einerseits und Gewalt andererseits interpretiert, die die Frage nach der Wissensvermittlung im konkreten Fall überflüssig macht.
Schlagwörter Ritualmordvorwurf; Antisemitismus; Informationsvermittlung; Gewalt

