Zitationsvorschlag

Heß, Cordelia: Fakten schaffen: Ritualmord und making sense durch antijüdische Ausschreitungen, in Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia (Hrsg.): Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 22), S. 121–140. https://doi.org/10.17885/heiup.1552.c24224

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-204-2 (PDF)
ISBN 978-3-96822-205-9 (Hardcover)

Veröffentlicht

12.03.2026

Autor/innen

Cordelia Heß

Fakten schaffen

Ritualmord und making sense durch antijüdische Ausschreitungen

Wie kamen Menschen im 12. und 13. Jh. auf die Idee, Jüd:innen für den gewaltsamen Tod von Kindern verantwortlich zu machen und spontan zu töten und zu vertreiben? Die umfassende Forschung über Ritualmordvorwürfe hat bisher oft versucht, aus den wi­dersprüchlichen schriftlichen Quellen konkrete Wege der Informationsvermittlung zu rekonstruieren. Dieser Arti­kel diskutiert die Fälle in Norwich, Fulda, Hagenau und Pforzheim mithilfe zweier Theorien aus dem Bereich der Kom­munikationsforschung und kognitiven Psychologie: mithilfe von „FLICC“ für die Produktion und Legitimierung von Fake News sowie dem „illusory truth effect“. Die Methoden der Verifizierung und Legitimierung von Ritualmordvorwürfen ähneln denjenigen, die in kontemporären Diskussionen zur Leugnung des Klimawandels oder der Covid-19-Pandemie angeführt werden. Die Ritualmordvorwürfe werden damit im Rahmen eines komplexen Geflechts von antijüdischen Stereotypen einerseits und Gewalt andererseits interpretiert, die die Frage nach der Wissensvermittlung im konkreten Fall überflüssig macht.

Schlagwörter Ritualmordvorwurf; Antisemitismus; Infor­mationsvermittlung; Gewalt