Zitationsvorschlag

Drews, Wolfram: Vertrauenswürdige Glaubenszeugen? Der Streit um religiöse Autorität im Umfeld der sogenannten Märtyrer von Córdoba, in Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia (Hrsg.): Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 22), S. 59–81. https://doi.org/10.17885/heiup.1552.c24221

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-204-2 (PDF)
ISBN 978-3-96822-205-9 (Hardcover)

Veröffentlicht

12.03.2026

Autor/innen

Wolfram Drews

Vertrauenswürdige Glaubenszeugen?

Der Streit um religiöse Autorität im Umfeld der sogenannten Märtyrer von Córdoba

Mitte des 9. Jh. wurden etliche anda­lusische Christen auf Befehl umayyadischer Amtsträger in Córdoba hingerichtet. Die entsprechenden Berichte wurden von dem gebildeten Laien Paulus Alvarus und vom Kleriker Eulogius verfasst; auch Letzterer wurde schließlich hinge­richtet, woraufhin Paulus Alvarus seine Vita verfasste. Beide Autoren bemühten sich in ihren Schriften, die Hinrichtungen als Martyrium, als Glaubenszeugnis für das Christentum, er­scheinen zu lassen, doch setzten sie sich in den Texten ge­zwungenermaßen zugleich mit zahlreichen Kritikern ausein­ander, die den Märtyrerstatus der Hingerichteten in Zweifel ziehen, weil der Islam in ihren Augen eine monotheistische Religion darstellt, im Unterschied zum polytheistischen Pan­theon des spätrömischen Reiches; auch würden sich – so die Kritiker – keine Wunder beim Tod bzw. am Grabe der Mär­tyrer ereignen. Die Propagandisten der vermeintlichen Mär­tyrer mussten daher alternative Evidenzkriterien bemühen, unter denen der angeblich auf Verführung, Irrtum und Lüge beruhende Islam sowie der vorbildliche Lebenswandel der späteren Märtyrer einen hervorragenden Platz einnehmen. Das auf längere Sicht wichtigste Kriterium, das die ‚Wahr­heit‘ vom Glaubenszeugnis der Hingerichteten untermauern konnte, war jedoch die kirchliche Tradition, die mit dem – al­lerdings bescheidenen – Kult um die Reliquien begann, aber insbesondere außerhalb von al-Andalus breitere Wirkung entfalten konnte, wo kein unmittelbares Wissen von Zeitzeu­gen zur Verfügung stand. Wo solche konkurrierenden Zeug­nisse vorhanden waren, konnte sich jedoch kein Kult um die vermeintlichen Märtyrer etablieren.

Schlagwörter Martyrium; Glaubenswahrheit; Hagiografie; Christentum; Islam