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Vertrauenswürdige Glaubenszeugen?
Der Streit um religiöse Autorität im Umfeld der sogenannten Märtyrer von Córdoba
Mitte des 9. Jh. wurden etliche andalusische Christen auf Befehl umayyadischer Amtsträger in Córdoba hingerichtet. Die entsprechenden Berichte wurden von dem gebildeten Laien Paulus Alvarus und vom Kleriker Eulogius verfasst; auch Letzterer wurde schließlich hingerichtet, woraufhin Paulus Alvarus seine Vita verfasste. Beide Autoren bemühten sich in ihren Schriften, die Hinrichtungen als Martyrium, als Glaubenszeugnis für das Christentum, erscheinen zu lassen, doch setzten sie sich in den Texten gezwungenermaßen zugleich mit zahlreichen Kritikern auseinander, die den Märtyrerstatus der Hingerichteten in Zweifel ziehen, weil der Islam in ihren Augen eine monotheistische Religion darstellt, im Unterschied zum polytheistischen Pantheon des spätrömischen Reiches; auch würden sich – so die Kritiker – keine Wunder beim Tod bzw. am Grabe der Märtyrer ereignen. Die Propagandisten der vermeintlichen Märtyrer mussten daher alternative Evidenzkriterien bemühen, unter denen der angeblich auf Verführung, Irrtum und Lüge beruhende Islam sowie der vorbildliche Lebenswandel der späteren Märtyrer einen hervorragenden Platz einnehmen. Das auf längere Sicht wichtigste Kriterium, das die ‚Wahrheit‘ vom Glaubenszeugnis der Hingerichteten untermauern konnte, war jedoch die kirchliche Tradition, die mit dem – allerdings bescheidenen – Kult um die Reliquien begann, aber insbesondere außerhalb von al-Andalus breitere Wirkung entfalten konnte, wo kein unmittelbares Wissen von Zeitzeugen zur Verfügung stand. Wo solche konkurrierenden Zeugnisse vorhanden waren, konnte sich jedoch kein Kult um die vermeintlichen Märtyrer etablieren.
Schlagwörter Martyrium; Glaubenswahrheit; Hagiografie; Christentum; Islam

