Zitationsvorschlag
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Veröffentlicht
Der Umgang mit Falschmeldungen in der hochmittelalterlichen Briefkultur
Die kommunikative Verdichtung hat seit dem 11. Jh. zum Aufkommen von Lehrbüchern zum etikettenkonformen Verfassen von Briefen (artes dictandi) beigetragen. In ihnen fand auch eine theoretische Reflexion über den Umgang mit Falschmeldungen statt. Ebenso wurden fiktive Musterbriefe zum Umgang mit Falschmeldungen verfasst und verbreitet, die den Schülern und angehenden Notaren Modelle für die Reaktion auf Falschmeldungen an die Hand gaben. Aus der Theorie gingen die Regeln nachweislich in die Praxis über, wie man anschaulich an den Briefen Kaiser Friedrichs II. und der Päpste seiner Zeit in der ersten Hälfte des 13. Jh. erkennen kann, in denen der Streit der Universalgewalten ausgefochten wurde. In diesen Briefen wurde immer wieder vor Falschmeldungen und Verleumdungen der Gegenseite gewarnt bzw. die Wahrhaftigkeit der eigenen Informationen beschworen. Später angelegte Sammlungen dieser Briefe, die etwa unter den Namen Petrus de Vinea oder Thomas von Capua firmierten, wurden noch im 14. und 15. Jh. in vielen Kanzleien als Vorlagen benutzt und kopiert, wenn es darum ging, Falschmeldungen der Gegenseite mit mustergültigen Formulierungen zu begegnen.
Schlagwörter Rhetorik; Briefmuster; Gerüchte; ars dictaminis

