Zitationsvorschlag

Hartmann, Florian: Der Umgang mit Falschmeldungen in der hochmittelalterlichen Briefkultur, in Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia (Hrsg.): Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 22), S. 41–58. https://doi.org/10.17885/heiup.1552.c24220

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-204-2 (PDF)
ISBN 978-3-96822-205-9 (Hardcover)

Veröffentlicht

12.03.2026

Autor/innen

Florian Hartmann

Der Umgang mit Falschmeldungen in der hochmittelalterlichen Briefkultur

Die kommunikative Verdichtung hat seit dem 11. Jh. zum Aufkommen von Lehrbüchern zum etikettenkonformen Verfassen von Briefen (artes dictandi) beigetragen. In ihnen fand auch eine theoretische Reflexi­on über den Umgang mit Falschmeldungen statt. Ebenso wurden fiktive Musterbriefe zum Umgang mit Falschmel­dungen verfasst und verbreitet, die den Schülern und an­gehenden Notaren Modelle für die Reaktion auf Falschmel­dungen an die Hand gaben. Aus der Theorie gingen die Regeln nachweislich in die Praxis über, wie man anschaulich an den Briefen Kaiser Friedrichs II. und der Päpste seiner Zeit in der ersten Hälfte des 13. Jh. erkennen kann, in denen der Streit der Universalgewalten ausgefochten wurde. In diesen Briefen wurde immer wieder vor Falschmeldungen und Ver­leumdungen der Gegenseite gewarnt bzw. die Wahrhaftigkeit der eigenen Informationen beschworen. Später angelegte Sammlungen dieser Briefe, die etwa unter den Namen Petrus de Vinea oder Thomas von Capua firmierten, wurden noch im 14. und 15. Jh. in vielen Kanzleien als Vorlagen benutzt und kopiert, wenn es darum ging, Falschmeldungen der Ge­genseite mit mustergültigen Formulierungen zu begegnen.

Schlagwörter Rhetorik; Briefmuster; Gerüchte; ars dictaminis