Zitationsvorschlag

Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia: Umkämpfte Unwahrheit: Evidenzpraktiken und die Aushandlung von Fake, Fälschung und Falschheit im europäischen Mittelalter, in Bubert, Marcel und Doering, Pia Claudia (Hrsg.): Fake News im Mittelalter? Zur kulturellen Aushandlung von Falschheit in politischen, religiösen und literarischen Diskursen, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 22), S. 11–40. https://doi.org/10.17885/heiup.1552.c24219

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-204-2 (PDF)
ISBN 978-3-96822-205-9 (Hardcover)

Veröffentlicht

12.03.2026

Autor/innen

Marcel Bubert, Pia Claudia Doering

Umkämpfte Unwahrheit

Evidenzpraktiken und die Aushandlung von Fake, Fälschung und Falschheit im europäischen Mittelalter

Die Frage, ob oder inwieweit Fake News ein genuin modernes Phänomen darstellen, ist nach wie vor umstritten. Nach begrifflichen Erläuterungen über Fake News, Falschheit, Fälschung und ‚Halbwahrheiten‘ wird in diesem Beitrag ein methodischer Ansatz skizziert, der Fake News nicht als a priori ‚falsche‘ Nachrichten, sondern vielmehr als Faktenbehauptungen versteht, die von zeitge­nössischen Beobachter:innen in einer bestimmten Teilöffent­lichkeit als falsch deklariert und kommuniziert wurden. Inso­fern es dabei um die Frage geht, unter welchen Bedingungen diese Zuschreibungen auf Akzeptanz oder Ablehnung stie­ßen, muss der Blick auch auf die spezifischen Praktiken der Evidenzherstellung gerichtet werden, die zur Durchsetzung von Geltungsansprüchen dienten. In diesem Zusammenhang werden Techniken vorgestellt, die im Mittelalter zum Einsatz kamen, um die ‚Falschheit‘ von Behauptungen oder Objek­ten mit Evidenz zu versehen. Gleichzeitig wird gezeigt, dass die ausgetragenen Deutungskämpfe unter zeitgenössischen Beobachter:innen auch Reflexionen über die Grenzziehung zwischen wahren und falschen Aussagen anregten. Die Li­teratur stellt dabei ein besonderes Beobachtungsmedium dar, das an der Differenzierung spezifischer Formen von Falsch­heit, wie Fälschung, Fake oder Betrug, beteiligt war. Gleich­zeitig machten mittelalterliche Autor:innen die verleumde­rischen Effekte kursierender Falschaussagen zum Thema. Daran wird deutlich, dass die Aushandlung von Falschheit im Mittelalter auch mit Reflexionen über die sozialen Wir­kungen von Fake News einhergehen konnte.

Schlagwörter Fake News; Postfaktizität; Wahrheitskonkur­renzen; Evidenzpraktiken; Rhetorik