8.0 Sprachideologien und Sprachkritik im Italienischen
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In der Republik Italien haben heute neben der Amtssprache Italienisch auf lokaler Ebene das Französische, das Deutsche, das Ladinische und das Slowenische kooffiziellen Status. Insgesamt genießen zwölf Minderheitensprachen einen Sonderstatus. Seit dem ausgehenden Mittelalter besteht ein ausgeprägtes Bewusstsein darüber, dass sich natürliche Sprachen in Form verschiedener Varietäten manifestieren. Der allmähliche Prozess der Überdachung der unterschiedlichen Mundarten durch das Florentinische wurde beständig von wertenden positiven wie negativen Stellungnahmen begleitet. Diese lassen sich zwei komplementären Strömungen zuordnen. Während die eine dem Monolinguismus verpflichtet ist und eine literarisch-ästhetische bzw. später ideologisch-politische Argumentationslinie verfolgt, ist die andere pluralistisch ausgerichtet. Die Aushandlungen im Zusammenhang mit der Varietätenvielfalt sind ebenso wie die im Laufe der Jahrhunderte vorkommenden und konkurrierenden Glottonyme, die Bezeichnungen für sprachliche Minderheiten, die Positionierungen gegenüber dem angloamerikanischen Einfluss oder auch die Diskussionen um Normverschiebungen im Sinne der sog. political correctness Ausdruck und Träger von sprachlichen Ideologien, die hier exemplarisch präsentiert werden.

