3.0 Sprachideologien und Sprachkritik: Gegenstandsbestimmung und Forschungsperspektiven
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In diesem Grundlagenartikel wird der (Sprach-)Ideologiebegriff skizziert, der diesen Handbuchband leitet. Sprachideologien sind soziokulturell verankert und beziehen sich in entscheidender Weise auf Sprache selbst und ihre gruppenidentitätsstiftende Funktion. Es geht also nicht um alle Ideologien, die in oder durch Sprache kodiert werden, sondern lediglich um solche Ideologien, die sich auf Sprache beziehen. In Anlehnung an Kroskrity (2004) verstehen wir Sprachideologien als ein Cluster-Konzept, das fünf verschiedene Dimensionen umfasst, die sich auch in zahlreichen anderen Definitionen von Sprachideologien finden. In dem Grundlagenartikel stellen wir außerdem Bezüge zu den verschiedenen Forschungstraditionen innerhalb der Philologien und den dort etablierten Konzepten her, die sich mit der Erforschung von sprachbezogenem Wissen und sprachbezogenen Haltungen beschäftigen, und grenzen diese voneinander ab. Ein Konzept ist die Sprachkritik, also die Praxis wertender Sprachreflexion, wie wir sie hier definieren und in Beziehung zu Sprachideologien setzen. Im Rahmen des europäischen Vergleichs werden wir zudem Sprachbilder als kondensierte Äußerungsformen von Sprachideologien punktuell aufgreifen.

