6.0 Sprachideologien und Sprachkritik im Englischen
Autor/innen
- Nina Dumrukcic
- Sophie Du Bois
- Beatrix Busse
- Ronja Grebe
Die Sprachideologie bezieht sich auf eine Reihe von Vorstellungen davon und Überzeugungen darüber, wie Sprache zu verwenden ist, ihre Sprecher und die diskursiven Praktiken in dieser Sprachgemeinschaft. Diese Ideologie impliziert ein gewisses Maß an Konsistenz in einer Sprache und ihren standardisierten Normen und dass jede Abweichung von diesen Normen als ‚weniger als das Ideal‘ angesehen werden kann (vgl. den Grundlagenartikel in diesem Band). In diesem Artikel wird ein Überblick darüber gegeben, wie sich der ‚ideale‘ Gebrauch der englischen Sprache im Laufe der Zeit verändert hat und welchen Einfluss verschiedene soziokulturelle Ereignisse in der Geschichte auf diese Entwicklungen hatten, wobei der Schwerpunkt auf der Aussprache liegt. Es wird erörtert, wie das fast imaginäre Konzept eines gesprochenen Standards in der Geschichte des (britischen) Englisch entstanden ist. Ein gesprochener Standard, der als Received Pronunciation (RP) bezeichnet wurde, bildete ein Modell, das von der sozialen Schicht, der Geografie und dem Bildungsniveau beeinflusst wurde. Die Dominanz des RP wurde noch verstärkt, als sie 1922 von den Rundfunkanstalten der British Broadcasting Corporation (BBC) übernommen und als BBC-English bezeichnet wurde, mit dem Ziel, einen neutralen Sprachgebrauch zu verwenden, der für ein breites Publikum leicht verständlich ist. Faktoren wie die Verschiebung der sozialen Schicht und die Hegemonie der Sprachen sowie technologische Fortschritte haben dazu beigetragen, dass immer mehr Varietäten des Englischen akzeptiert werden und negative Einstellungen gegenüber weniger bekannten Akzenten und Dialekten oder nicht standardmäßigem Sprachgebrauch abgebaut werden, insbesondere im heutigen Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika.

