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Übervorteilung erzählen
Zum betrügerischen Einsatz merkantiler Praktiken in frühneuzeitlichen Romanen
Frühneuzeitliche Romane stellen vielfältige Mechanismen von Betrug und Täuschung auf dem Markt dar. Da Betrug ein rechtlich verfolgbares Vergehen gegen institutionalisierte merkantile Praktiken darstellt, gerät Gerechtigkeit als zentrales Paradigma in den Fokus der Szenen. Besonders narrative fiktionale Literatur offenbart dabei zwei Sichtweisen auf das Thema ‚Gerechtigkeit‘: Neben der rechtlichen Gerechtigkeit steht eine damit verschränkte Form der ‚poetischen Gerechtigkeit‘, die an das emotionale Engagement der Rezipierenden angesichts der Hauptfigur geknüpft ist, auch wenn diese den Betrug begeht. Im Folgenden werden zwei Szenen aus ‚Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel‘ (1515) und eine weitere aus der ‚Historia von D. Johann Fausten‘ (1587) in den Blick genommen, um die in Konflikt stehenden Gerechtigkeitssysteme zu untersuchen. Zudem sollen die Analysen zeigen, dass Dil und Faustus als Akteure auftreten, die während der merkantilen Begegnungen dadurch die Oberhand behalten, dass sie gezielt systemische Mechanismen des Marktes gegen ihre Opfer ausspielen.
Schlagwörter merkantiles Erzählen; Frühe Neuzeit; Prosaromane; Wirtschaftsgeschichte; historische Narratologie

