Zitationsvorschlag

Meyer, Adrian: Übervorteilung erzählen: Zum betrügerischen Einsatz merkantiler Praktiken in frühneuzeitlichen Romanen, in Buchwitz, Wolfram und Burrichter, Brigitte (Hrsg.): Normen und Ideale, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 24), S. 545–559. https://doi.org/10.17885/heiup.1570.c25418

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-324-7 (PDF)
ISBN 978-3-96822-325-4 (Hardcover)

Veröffentlicht

20.08.2026

Autor/innen

Adrian Meyer

Übervorteilung erzählen

Zum betrügerischen Einsatz merkantiler Praktiken in frühneuzeitlichen Romanen

Frühneuzeitliche Romane stellen viel­fältige Mechanismen von Betrug und Täuschung auf dem Markt dar. Da Betrug ein rechtlich verfolgbares Vergehen gegen institutionalisierte merkantile Praktiken darstellt, gerät Gerechtigkeit als zentrales Paradigma in den Fo­kus der Szenen. Besonders narrative fiktionale Literatur offenbart dabei zwei Sichtweisen auf das Thema ‚Gerech­tigkeit‘: Neben der rechtlichen Gerechtigkeit steht eine damit verschränkte Form der ‚poetischen Gerechtigkeit‘, die an das emotionale Engagement der Rezipierenden an­gesichts der Hauptfigur geknüpft ist, auch wenn diese den Betrug begeht. Im Folgenden werden zwei Szenen aus ‚Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel‘ (1515) und eine weitere aus der ‚Historia von D. Johann Fausten‘ (1587) in den Blick genommen, um die in Konflikt stehenden Gerechtigkeitssysteme zu untersuchen. Zudem sollen die Analysen zeigen, dass Dil und Faustus als Akteure auftre­ten, die während der merkantilen Begegnungen dadurch die Oberhand behalten, dass sie gezielt systemische Me­chanismen des Marktes gegen ihre Opfer ausspielen.

Schlagwörter merkantiles Erzählen; Frühe Neuzeit; Prosaromane; Wirtschaftsgeschichte; historische Narratologie