Zitationsvorschlag
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Veröffentlicht
Auf der Fährte der Norm
Nuklei des Sexuell-Mehrdeutigen in Oswalds von Wolkenstein ‚Ain jetterin‘ (Kl 83)
Der vorliegende Beitrag nimmt das vielschichtige Bedeutungsnetz in den Fokus, das Oswalds von Wolkenstein pastourellenhaftes Lied ‚Ain jetterin‘ (Kl 83) zwischen den Bereichen Jagd und Sexualität aufspannt. Anstelle einer Interpretation vor dem Horizont gattungsfokussierter Fragen wird vorgeschlagen, Oswalds Lied im close reading auf seinen literarischen Eigenwert und damit verbunden auf seine spezifischen poetischen Verfahrensweisen zu befragen. Dabei zeigt sich, dass durch die Überblendung der semantischen Sphären von Jagd und Sexualität vor allem der Kampf um Superiorität zur Geltung kommt, den die beiden Akteure – Jäterin und Vogelfänger – austragen. Sprachlich umgesetzt wird dieser Kampf in verschiedenen Dualismen wie Jäger / Beute, Aktivität / Passivität etc., die das Lied zuerst normgerecht etabliert. Die Destruktion der Normen, die sich über den Verlauf des Liedes hinweg vollzieht, ist bereits in der Ausgangssituation der ersten Strophe angelegt. Die verschiedenen Grenzen, die das Lied zwischen Mensch und Tier, Superiorität und Inferiorität zieht, werden schrittweise desavouiert, um schließlich in die spiegelbildliche Inversion der Ausgangsverhältnisse zu münden: Am Ende ist der Jäger zum Gejagten geworden und vice versa.
Schlagwörter Oswald von Wolkenstein; Pastourelle; Mehrdeutigkeit; Jagd; Sexualität

