Zitationsvorschlag

Terrahe, Tina: Tod und Ehre – Gnade und Frieden: Warum es manchmal besser ist, Besiegte doch nicht zu töten, in Buchwitz, Wolfram und Burrichter, Brigitte (Hrsg.): Normen und Ideale, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 24), S. 497–508. https://doi.org/10.17885/heiup.1570.c25415

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-324-7 (PDF)
ISBN 978-3-96822-325-4 (Hardcover)

Veröffentlicht

20.08.2026

Autor/innen

Tina Terrahe

Tod und Ehre – Gnade und Frieden

Warum es manchmal besser ist, Besiegte doch nicht zu töten

Die erzählende Literatur des Hoch­mittelalters geht einerseits mit einer großen Selbstver­ständlichkeit davon aus, dass ein Krieger lieber stirbt als mit verlorener Ehre weiterzuleben; andererseits lässt die unablässige Betonung dieser angeblichen Norm bereits vermuten, dass hier Diskussionsbedarf vorliegt. Während es in den Chansons de Geste oder der Heldenepik kaum Alternativen zum ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld gibt, bietet der ‚Eneasroman‘ Heinrichs von Veldeke erst­mals die Option einer Begnadigung. Auch wird in diesem Text eine ausführliche Debatte darüber geführt, ob der Herrscher eigentlich das Recht hat, auf dem Schlachtfeld unzählige Unschuldige in den Tod zu schicken, wo sie rea­liter nicht für ihre eigene, sondern für die Ehre ihres Herr­schers sterben. Wenngleich das von den frühen Artusromanen neu eingeführte Paradigma des ‚Sicherheit-Nehmens‘ eine Al­ternative zum Töten darstellt und realhistorisch praktizier­te Gepflogenheiten friedlicher Konfliktbeilegung spiegelt, bleibt es vom Unterhaltungswert her offenbar uninteres­sant: Eine Geschichte ohne Gewalt, Blut und Tod ist nicht erzählenswert.

Schlagwörter Parzival; Erec; Iwein; Gewalt; Tod