Zitationsvorschlag
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Konfigurationen von Rede, Stimme und Heiligkeit
Karl der Große in der ‚Kaiserchronik‘ und in Heinrichs von München ‚Weltchronik‘
Der Beitrag zielt darauf ab, mithilfe der Historischen Dialogforschung den Einsatz und die Funktion wörtlicher Figurenrede in den Karlsepisoden der ‚Kaiserchronik‘ (Mitte 12. Jahrhundert) im Vergleich zur ‚Weltchronik‘ (ca. 1380) Heinrichs von München zu untersuchen. In beiden Chroniken werden einerseits Erzählmotive (wie Melancholie, Christianisierungsbestrebungen, Tugenden, Maßstab für gerechte Herrschaft, aber auch Sünde) tradiert, andererseits wird Figurenrede neu gestaltet und jeweils unterschiedlich für die Verhandlung von Normen und Idealen eingesetzt. In der ‚Kaiserchronik‘ wird der überaus enge Kontakt zwischen Gott und Karl hervorgehoben, so dass der Karolinger bereits vor seiner Kanonisation im Jahr 1165 als Vermittler des göttlichen Heils auf Erden und somit als heiligmäßiger König galt. Erst in der ‚Weltchronik‘ jedoch wird Karl durch den gezielten Einsatz der Figurenrede als Auserwählter und in seiner Heiligmäßigkeit dargestellt, indem die Stimme Gottes als auditives Element vermittelt wie unvermittelt in den Text eingefügt wird. Durch das Inserieren direkter Reden erfolgt zugleich eine Distanzierung vom Erzähler der Chronik, die zur heilsgeschichtlichen Erklärung und Bewertung historischer Vorgänge beiträgt und die Rezipierenden zu einer nachvollziehenden Beurteilung auffordert.
Schlagwörter Karl der Große; Dialogforschung; Figurenrede; ‚Kaiserchronik‘; Heinrichs von München ‚Weltchronik‘

