Zitationsvorschlag

Sahm, Heike: Germanische Heldendichtung? Zur Problematik des Gattungsbegriffs, in Buchwitz, Wolfram und Burrichter, Brigitte (Hrsg.): Normen und Ideale, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 24), S. 381–393. https://doi.org/10.17885/heiup.1570.c25409

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-324-7 (PDF)
ISBN 978-3-96822-325-4 (Hardcover)

Veröffentlicht

20.08.2026

Autor/innen

Heike Sahm

Germanische Heldendichtung?

Zur Problematik des Gattungsbegriffs

Die Distanzierung von der nationalis­tisch-rassistischen Germanenrezeption des Nationalsozia­lismus in der Germanistik hat unter anderem dazu geführt, dass die germanische Heldendichtung als die für den Ger­manenmythos maßgebliche Quelle nicht mehr im Fokus der Forschung gestanden hat. Stattdessen erfolgte eine Konzen­tration auf die tatsächlich überlieferten Texte und den Kon­text ihrer jeweils nationalen Literaturgeschichte im hohen und späten Mittelalter. Wo man weiterhin nach Entstehung und Funktion der germanischen Heldendichtung fragte, da wurde das seit dem 19. Jahrhundert etablierte Konzept modifiziert: Nicht vorbildliche Helden, sondern exorbitan­te Egoisten wären deren Gegenstand (von See, 1971), nicht heroische Taten, sondern Traumata der Völkerwanderungs­zeit würden in den Texten erinnert (Haug 1994), ja nach Millet (2008) und Kragl (2020) werden die zur Gattung ge­hörigen Texte durch den Umstand zusammengehalten, dass sie fast ausschließlich in einer germanischen Sprache über­liefert sind. Der Beitrag schließt an diese Überlegungen an und schlägt weitere Modifikationen am Entstehungsmodell der germanischsprachigen Heldendichtung vor, die darauf hinauslaufen, die Verbindlichkeit der Sagentradition auch in Hinblick auf die darin vermittelten Werte und Normen in Frage zu stellen.

Schlagwörter Heldensage; Heldendichtung; Germanen; Verschriftlichung; Frühmittelalter