Zitationsvorschlag
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Germanische Heldendichtung?
Zur Problematik des Gattungsbegriffs
Die Distanzierung von der nationalistisch-rassistischen Germanenrezeption des Nationalsozialismus in der Germanistik hat unter anderem dazu geführt, dass die germanische Heldendichtung als die für den Germanenmythos maßgebliche Quelle nicht mehr im Fokus der Forschung gestanden hat. Stattdessen erfolgte eine Konzentration auf die tatsächlich überlieferten Texte und den Kontext ihrer jeweils nationalen Literaturgeschichte im hohen und späten Mittelalter. Wo man weiterhin nach Entstehung und Funktion der germanischen Heldendichtung fragte, da wurde das seit dem 19. Jahrhundert etablierte Konzept modifiziert: Nicht vorbildliche Helden, sondern exorbitante Egoisten wären deren Gegenstand (von See, 1971), nicht heroische Taten, sondern Traumata der Völkerwanderungszeit würden in den Texten erinnert (Haug 1994), ja nach Millet (2008) und Kragl (2020) werden die zur Gattung gehörigen Texte durch den Umstand zusammengehalten, dass sie fast ausschließlich in einer germanischen Sprache überliefert sind. Der Beitrag schließt an diese Überlegungen an und schlägt weitere Modifikationen am Entstehungsmodell der germanischsprachigen Heldendichtung vor, die darauf hinauslaufen, die Verbindlichkeit der Sagentradition auch in Hinblick auf die darin vermittelten Werte und Normen in Frage zu stellen.
Schlagwörter Heldensage; Heldendichtung; Germanen; Verschriftlichung; Frühmittelalter

