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„… wie ein König es sollte“
Heroenzeitalter und Herrschertugenden in der Edda und den Königssagas
Normen und Ideale, wie sie die Heldensage überliefert, stehen in einem ambivalenten Verhältnis zu denjenigen der sie niederschreibenden und rezipierenden Gesellschaften. Dieser Befund ist im Falle der skandinavischen Literaturen besonders bedeutsam, weil Repräsentationen eines Heldenzeitalters nicht auf die Lieder der Edda beschränkt bleiben, sondern über die Darstellung der lokalen Geschichte Eingang in historiografische Texte finden. Das heroic age in der eigenen Geschichte eröffnet dergestalt ein Spannungsfeld zu den Normen und (Herrscher-)Idealen der jüngeren Geschichte. Eine Analyse des Eddaliedes ‚Atlakviða‘ und von Beispielen aus dem historiografischen Corpus zeigt, dass mit dem Ausgreifen der Historiografie in die ferne Vergangenheit während des 13. Jahrhunderts die Möglichkeit besteht, dass dysfunktionales, aber besonders furchtloses Verhalten auch von Herrschern in der jüngeren Geschichte Erzählmuster und Wertungshandlungen des Heldenzeitalters auf sich ziehen kann, um es narrativ zu motivieren. Provozieren solche Aktualisierungen asozialer Aktion der Helden auch intradiegetisch Widerspruch, so erweisen sie sich gerade in der Repräsentation des christlichen Ideals als besonders attraktiv: in den Viten von Märtyrerherrschern ebenso wie im Aufruf zum Kreuzzug, der vom Publikum volle Opferbereitschaft verlangt. Hier zeigt sich die Aktualisierbarkeit von andernorts destruktiv geschilderten Normen des Heldenzeitalters als ein essentialisiertes, antikisiertes und paganisiertes Element skandinavischer Identitäten, aus denen sich bereits um 1200 eine Frühform des Nordismus speist.
Schlagwörter Heldensage; Geschichtsschreibung; Hagiografie; Identitäten; Skandinavien

