Zitationsvorschlag
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Der unwürdige Herrscher wird abgesetzt
Die publizistische Agitation gegen den deutschen König Wenzel
Politische Stabilität ist eine Grundbedingung für die Verlässlichkeit normativer Ordnungen. Sie setzt voraus, dass Herrschaft kontinuierlich ausgeübt wird. Doch diese Kontinuität steht jedes Mal in Frage, wenn ein Herrscherwechsel ansteht. Herrschaftsübergänge sind immer von Labilität, nicht selten massiver Instabilität gekennzeichnet. Wenn der Herrschaftsübergang sich nicht problemlos gestaltet, z. B. wenn es eine königslose Zeit oder zwei konkurrierende Thronprätendenten oder sogar zwei gewählte Könige in Konkurrenz zueinander gibt, fühlen sich Dichter und Chronisten in besonderer Weise zur Stellungnahme aufgefordert. Ein spektakulärer Fall des Herrscherwechsels war die Abwahl und faktische Absetzung König Wenzels durch die Kurfürsten. Dieser im Deutschen Reich des Mittelalters einmalige Vorgang musste publizistisch vorbereitet und politisch und juristisch legitimiert werden. Im Fokus meines Beitrags stehen vier Reimreden politischer Publizisten, die zentrale Normen des Königtums aufrufen und den herrschenden König Wenzel daran messen und scharf kritisieren. In ihrer Herrscherkritik trennen sie die Institution des Königtums von ihrem unwürdigen Repräsentanten und gerieren sich selbst als Normenkontrollinstanz. So bringt die Publizistik das Bild des Königs in der öffentlichen Meinung ins Wanken und bereitet der Absetzung Wenzels den Boden.
Schlagwörter politische Dichtung; öffentliche Meinung; gute Herrschaft; Herrscherkritik; Absetzung von Königen

