Zitationsvorschlag

Aehnlich, Barbara: Die deutsche strafrechtliche Terminologie um 1500 unter dem Einfluss der Rezeption des römisch-kanonischen Rechts, in Buchwitz, Wolfram und Burrichter, Brigitte (Hrsg.): Normen und Ideale, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 24), S. 207–224. https://doi.org/10.17885/heiup.1570.c25397

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-324-7 (PDF)
ISBN 978-3-96822-325-4 (Hardcover)

Veröffentlicht

20.08.2026

Autor/innen

Barbara Aehnlich

Die deutsche strafrechtliche Terminologie um 1500 unter dem Einfluss der Rezeption des römisch-kanonischen Rechts

Die Rezeption des römisch-kanonischen Rechts ab der Mitte des 15. Jahrhunderts führte zu einem Einschnitt in der Entwicklung der deutschen Rechtssprache. Sie war verbunden mit einem sprunghaften Anstieg der Ver­breitung juristischer Literatur und dem Entstehen neuarti­ger Rechtsquellen wie reformierter Stadt- und Landrechte oder der sogenannten Praktikerliteratur. Vier Rechtsquellen dieser Zeit wurden mittels eines digitalen diachronen Text­vergleichs linguistisch untersucht: zwei normative Texte (‚Bambergische Halsgerichtsordnung‘, ‚Constitutio Crimi­nalis Carolina‘) und zwei populärjuristische Quellen (‚Klag­spiegel‘ Conrad Heydens, ‚Laienspiegel‘ Ulrich Tenglers).

Der Beitrag zeigt die anhand der Untersuchung und Auswertung der Texte deutlich gewordenen Schichten der historischen Rechtssprache und ihrer Begrifflichkeiten sowie die Schwierigkeiten ihrer Abgrenzung auf. Da es noch keine Gesetzestexte mit klassischem Normcharakter im heutigen Sinne gab – das Recht erfuhr seine Akzep­tanz erst durch die praktische Anwendung, nicht durch Vorschriften –, war das Setzen und Etablieren von Rechts­grundsätzen und -regeln ebenso notwendig wie schwierig. Demzufolge wird herauszufiltern sein, welche sprachlichen Methoden verwendet wurden, um frühe Rechtsnormen zu formulieren. Im Mittelpunkt stehen Transferprozesse bei der Etablierung neuer Rechtsbegriffe: ein- und zweispra­chige Paarformeln, Lehnübersetzungen, Definitionen sowie Paraphrasen, die auf der Basis lemmatisierter und tiefenan­notierter Textausschnitte sichtbar werden.

Schlagwörter historische Rechtssprache; römisches Recht; digitaler Textvergleich; Paarformeln