Zitationsvorschlag

Pocher, Luca: Die rechtliche Stellung der Frauen in Mittelitalien im 10. und 11. Jahrhundert: Ein Vergleich zwischen römischer und langobardischer Tradition in Latium, Umbrien und der Toskana, in Buchwitz, Wolfram und Burrichter, Brigitte (Hrsg.): Normen und Ideale, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026 (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung. Beihefte, Band 24), S. 159–169. https://doi.org/10.17885/heiup.1570.c25394

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-324-7 (PDF)
ISBN 978-3-96822-325-4 (Hardcover)

Veröffentlicht

20.08.2026

Autor/innen

Luca Pocher

Die rechtliche Stellung der Frauen in Mittelitalien im 10. und 11. Jahrhundert

Ein Vergleich zwischen römischer und langobardischer Tradition in Latium, Umbrien und der Toskana

Im Frühmittelalter etablierten sich in Italien zwei Rechtstraditionen: die römische, die nicht als einheitlich zu verstehen ist, sondern als Zusammen­stellung verschiedener Elemente, und die germanische, die von den nach Italien eingewanderten Langobarden mitgebracht wurde. Während das römische Recht überall einflussreich war, waren die verschiedenen Regionen vom langobardischen Recht unterschiedlich stark geprägt. In der Toskana gab es deutliche germanische Einflüsse; Lati­um blieb davon fast unberührt. Die Urkunden des 10. und 11. Jahrhunderts aus den Klöstern Mittelitaliens sind ein wertvolles Quellenkorpus, um die rechtliche Stellung der Frauen in diesen Gebieten zu erforschen. Es handelt sich zum Großteil um Kauf- und Pachtverträge, Schenkungen und Prozessprotokolle, die eine starke weibliche Beteili­gung zeigen. Die Rechtsstellung der Frauen war aber in den beiden Regionen sehr unterschiedlich. In der Toskana, wo das langobardische Recht besonders verbreitet war – Beweis dafür sind die germanischen Begriffe launechild, morincap und mundualdus –, waren die Frauen keine rechtlich handlungsfähigen Personen. Um einen Vertrag zu schließen, brauchten sie die Zustimmung eines männ­lichen Verwandten. In Latium verfügten die Frauen dage­gen über vollständige rechtliche Autonomie. Der Beitrag verfolgt das Ziel, diesen Unterschied auf Basis einer doku­mentarischen Analyse zu besprechen.

Schlagwörter Mittelitalien; Frühmittelalter; Sozialgeschichte; Rechtsgeschichte; Geschlechtergeschichte