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Äbtissinnen als starke Frauen?
Macht, Verhaltensnormen und Herrschaftspraktiken religiöser Amtsträger:innen
Äbtissinnen hatten ein gesellschaftlich wichtiges Amt inne. Dies galt besonders für Äbtissinnen von Stiften, die weniger als in Klöstern durch die Klausur eingeschränkt waren und Herrschaft nach außen ausüben konnten. Ob sie dies zu ‚starken Frauen‘ machte, diskutiert der Beitrag, indem er den Zusammenhang zwischen Handlungsmöglichkeiten bzw. agency, geschlechtsspezifischen Normen und Herrschaftspraktiken herausarbeitet. ‚Stark‘ hatte in der Vormoderne unterschiedliche Bedeutungen. Diese analysiert der Aufsatz in drei Schritten anhand von Fallbeispielen. Dabei wird untersucht, inwiefern geschlechtsspezifische Verhaltensnormen die Macht von Äbtissinnen einschränkten, religiöse Vorsteher:innen physische Stärke und Gewalt ausüben sollten und ob sie sich in schwierigen Zeiten erfolgreich als duldsam darstellten. Die Macht der Äbtissinnen konnte sich darin zeigen, dass sie gegen bestimmte Verhaltenserwartungen verstießen. So regierte Agnes von Sulz jahrzehntelang unangefochten als Äbtissin des Stifts Säckingen, obwohl sie als Chorfrau mehrere Kinder bekommen hatte. Keuschheit war im Fall der Agnes von Sulz im Besonderen und in Stiften im Allgemeinen keine feste, völlig unumstrittene Norm. In anderen Fällen führten miteinander konkurrierende Normen und Praktiken dazu, dass auch männliche Vorsteher in ihren Herrschaftspraktiken eingeschränkt wurden, während Äbtissinnen durch die Einhaltung geschlechtsspezifischer Verhaltenserwartungen agency erlangten. Im Gegensatz zu den Äbten war es für die Äbtissinnen nicht denkbar, sich und ihren Herrschaftsbereich gewaltsam zu verteidigen. Daher konnte sich Anna von Falkenstein im Gegensatz zum Abt von Kempten während des Bauernkriegs erfolgreich als willensstark angesichts der bürgerlichen Angriffe darstellen.
Schlagwörter Geschlechtergeschichte; religiöse Gemeinschaften; Stifte; Gewalt und Sexualität

