Zitationsvorschlag

Meier, Thomas, Gebhardt, Hans und Mager, Ute: Raum, in Meier, Thomas et al. (Hrsg.): Umwelt interdisziplinär: Grundlagen – Konzepte – Handlungsfelder, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026, S. 617–651. https://doi.org/10.17885/heiup.1378.c19349

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-273-8 (PDF)
ISBN 978-3-96822-274-5 (Hardcover)

Veröffentlicht

02.07.2026

Autor/innen

Thomas Meier , Hans Gebhardt, Ute Mager

Raum

Der Raum der europäischen Neuzeit und der Moderne war ein prädiskursiver, mathematisch be­schreibbarer „Container“ (cartesischer Raum), der gleich­sam den Rahmen abgab, in dem sich die abiotische und biotische Welt abspielte. In den letzten Jahrzehnten wich dieses Raumkonzept in der Geographie wie im Rahmen des spatial turn in nahezu allen Kultur- und Geisteswissen­schaften, aber auch in der Physik schrittweise einem neu­en Verständnis: In den Kultur- und Geisteswissenschaften wird Raum heute als soziale Konstruktion angesehen, als System von Lagebeziehungen, von Relationen, wahrge­nommen, die in dieser Sichtweise wichtiger sind als Orte oder deren physische Abstände (Topologie). Insbesondere der individualisierende Blick der Post-Moderne versteht Raum häufig als das Produkt sinnlicher Wahrnehmungen und Erlebnisse und/oder richtet die Aufmerksamkeit dar­auf, wie Räume durch Alltagsverhalten konstituiert wer­den (Raumproduktion). Verwandt mit dieser Perspektive ist ein Verständnis, das Raum gleichermaßen als Ergebnis wie als Rahmen von Praktiken auffasst (Ko-Konstitution). Nicht zu leugnen ist, dass eine Abgrenzung dieser Raum­konzepte zunehmend künstlich wird und inzwischen mehr und mehr Querschnittskonzepte aufkommen, die Elemente verschiedener Raumvorstellungen kombinieren und inte­grieren.

Schlüsselbegriffe Raumkonzepte; cartesischer Raum; Re­lationalität; Topologie; Sinneswahrnehmung; Raumzeit; Praxis; spatial turn