Zitationsvorschlag

Sprenger, Guido: Umweltethnologie, in Meier, Thomas et al. (Hrsg.): Umwelt interdisziplinär: Grundlagen – Konzepte – Handlungsfelder, Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2026, S. 241–262. https://doi.org/10.17885/heiup.1378.c19336

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-96822-273-8 (PDF)
ISBN 978-3-96822-274-5 (Hardcover)

Veröffentlicht

02.07.2026

Autor/innen

Guido Sprenger

Umweltethnologie

Die Ethnologie als Wissenschaft von der kulturellen Differenz befasst sich seit ihren Anfängen mit der Frage, wie „Natur“ und „Kultur“ zusammenwirken, um menschliche Gesellschaften zu ermöglichen. Während einige Ansätze im Kulturvergleich das biologisch-natürliche Substrat aller Gesellschaft suchten (Naturdeterminismus), betont die Mehrheit der Theorien jedoch, dass Wahrneh­mung, Deutung und Umgang mit der Umwelt kulturell er­heblich variieren (Kulturrelativismus). Die Ethnologie ver­mag jedoch nicht nur die modern-westlichen Vorstellungen eines Natur-Kultur-Dualismus zu relativieren, indem sie alternative Konzepte und Praktiken dokumentiert. Beson­ders in den letzten Jahren entwickeln sich im Rahmen der „Ontologischen Wende“ neue Synthesen, die ein differenzier­tes und zugleich holistischeres Verständnis der kulturellen Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen er­möglichen. Dazu treten als aktuelle Forschungszweige die Multispecies Ethnography, die die Interaktion von Menschen und anderen Lebewesen als kulturelles und soziales Phäno­men deutet, und die Political Ontology, die das Aufeinander­treffen von lokalen und translokalen Ökologien im Rahmen von Globalisierung, Umweltzerstörung und Umweltschutz untersucht.

Schlüsselbegriffe Kulturrelativismus; Kulturvergleich; Multispecies Ethnography; Ontologische Wende; Political Ontology