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Umweltethnologie
Die Ethnologie als Wissenschaft von der kulturellen Differenz befasst sich seit ihren Anfängen mit der Frage, wie „Natur“ und „Kultur“ zusammenwirken, um menschliche Gesellschaften zu ermöglichen. Während einige Ansätze im Kulturvergleich das biologisch-natürliche Substrat aller Gesellschaft suchten (Naturdeterminismus), betont die Mehrheit der Theorien jedoch, dass Wahrnehmung, Deutung und Umgang mit der Umwelt kulturell erheblich variieren (Kulturrelativismus). Die Ethnologie vermag jedoch nicht nur die modern-westlichen Vorstellungen eines Natur-Kultur-Dualismus zu relativieren, indem sie alternative Konzepte und Praktiken dokumentiert. Besonders in den letzten Jahren entwickeln sich im Rahmen der „Ontologischen Wende“ neue Synthesen, die ein differenziertes und zugleich holistischeres Verständnis der kulturellen Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen ermöglichen. Dazu treten als aktuelle Forschungszweige die Multispecies Ethnography, die die Interaktion von Menschen und anderen Lebewesen als kulturelles und soziales Phänomen deutet, und die Political Ontology, die das Aufeinandertreffen von lokalen und translokalen Ökologien im Rahmen von Globalisierung, Umweltzerstörung und Umweltschutz untersucht.
Schlüsselbegriffe Kulturrelativismus; Kulturvergleich; Multispecies Ethnography; Ontologische Wende; Political Ontology

