Zur Neurobiologie der Intelligenz

  • Andreas Draguhn (Autor/in)
    Institut für Physiologie und Pathophysiologie, Universität Heidelberg

Abstract

Wichtigstes biologische Korrelat von Intelligenz ist das Gehirn. Die Neurowissenschaften können deshalb dazu beitragen, ihre Naturgeschichte nachzuzeichnen, die vom Gehirn gesetzten biologischen Randbedingungen aufzuklären und kausale Mechanismen der Entstehung von Intelligenz zu finden. Sie können und sollten ihr Wissen in Bemühungen um angemessene Förderung des Potenzials von Menschen einbringen. Die neurobiologische Forschung zur Intelligenz hat Hirnregionen und Netzwerk-Eigenschaften identifiziert, die in besonderer Weise zur kognitiven Flexibilität beitragen. Keine der Erkenntnisse ist aber vollständig, vieles bleibt spekulativ oder günstigstenfalls eher deskriptiv als kausal erklärend. Alle Aussagen hängen zudem von der Definition des Begriffs Intelligenz ab, der aus der Human-Psychologie stammt und dessen Anwendung auf andere Tiere nicht trivial ist. Der anthropomorphe Blick, mit der wir oft über Tiere urteilen, könnte eine ähnliche Verzerrung erzeugen wie innerhalb der Menschheit die Messung von Intelligenz mit Instrumenten, die an einer weißen, gebildeten Mittelschicht optimiert wurden. Dennoch: Der Möglichkeitsraum unseres Denkens und Handelns ist wesentlich von der jeweiligen neuronalen Ausstattung geprägt, und das gilt sehr wahrscheinlich auch für Tiere. Von einer Reduktion der Intelligenz auf neurobiologische Vorgänge sind wir weit entfernt und sollten es auch bleiben, denn wir selbst sind die denkenden und handelnden Subjekte, nicht unser Gehirn. Neurobiologische Randbedingungen für Intelligenz zu kennen und zu beachten kann aber dabei helfen, angemessene Bildungs- und Lebensbedingungen für das zoon logicon zu schaffen.

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Veröffentlicht (Versionen)

Sprache
Deutsch
Schlagworte
Intelligenz, Neurobiologie, Tiere, Pflanzen, Unterschiede, Gehirn