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Decorum und Mammon im Widerstreit? Adeliges Wirtschaftshandeln zwischen Standesprofilen, Profitstreben und ökonomischer Notwendigkeit
11 Feb 2022
Die Ökonomie der Ungewissheit. Der alchemistische entrepreneur Louis de Hatzel
Abstract
Der »Unternehmer« ist eine ebenso prominente wie umstrittene ­Kategorie wirtschaftsgeschichtlicher Forschung. Ausgehend von zeitgenössischen ­Definitionen des 18. Jahrhunderts, insbesondere Richard Cantillons, und in Anschluss an die ­Überlegungen von Frank H. Knight zu »risk« and »uncertainty« reflektiert der ­Beitrag den Unternehmerbegriff am Fall des elsässischen Kleinadligen Louis de Hatzel. Als ­Alchemisten-Unternehmer unterhielt er unter anderem intensivere ­Geschäftsbeziehungen zu Pfalzgraf Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld und Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Das Unternehmertum Hatzels ergab sich aus einer biographischen Zwangslage. Es war somit kein Ziel an sich, sondern wurde von ihm im Rahmen ­seiner adli­gen Selbstwahrnehmung als Brücke zu einer ständisch akzeptablen Karriere ­verstanden.
Keywords entrepreneur, Risiko, Unsicherheit, Alchemie, Glasherstellung, Richard ­Cantillon, Louis de Hatzel, Frank H. Knight, Stanisław Leszczyński, August II. von Polen-Sachsen, Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld, Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt
1 Einleitung
Anfang Oktober 1731 hatte Johann Wilhelm Steinheil, kursächsischer Resident in Frankfurt, dem Dresdner Hof eine beunruhigende Mitteilung zu machen. Im nahegelegenen Offenbach hielte sich seit dem vergangenen Jahr ein seltsames französisches Individuum auf. Diese Person lebe in reichlichem Pomp. Man erzähle sich in Offenbach, der ungefähr dreißigjährige Franzose habe schon die ganze Welt bereist und sei sogar bis nach Ägypten zu den Pyramiden gekommen.1 Das allein aber reichte noch lange nicht, um den Dresdner Hof zu interessieren. Beunruhigend fand Steinheil vielmehr, dass der obskure Franzose Briefkontakt mit Stanisław Leszczyński (1677–1766) pflege und ihm gar große Pakete sende.2 Der Erzrivale Augusts des ­Starken (­1670­–­1733) um den polnischen Thron und Schwiegervater Ludwigs XV. (1710–1774) befand sich zwar gerade im französischen Exil im elsässischen Weißenburg/Wissembourg.3 ­Allein die ­Erwähnung Leszczyńskis und möglicher geheimer Aktivitäten genügten dem polnisch-sächsischen Hof jedoch. Wenig später hatte man ein Greifkommando organisiert, der suspekte Franzose wurde aus Offenbach auf die Feste Löwenstein expediert und erst nach Haft und Verhören schließlich im November 1732 über die Grenze nach Böhmen abgeschoben.4
Die polnisch-sächsische Festungshaft war der vielleicht prominenteste Unfall im von mehrfachen abrupten Wendungen nicht armen Leben des Louis de Hatzel. Der Ruf des ältesten Sohns des Straßburger Syndikus und Unterlandvogts von Haguenau/­Hagenau drang sogar bis in die Reihen höherer französischer Würdenträger vor. Das einzig ­Sichere, was man über ihn sagen könne, sei, dass es sich bei ihm um einen echten Nichtsnutz handele, »un vrai vaurien, capable de tout«.5 Dank des zweifelhaften Verhaltens in seiner Jugend durfte Hatzel also auf keine Karriere im heimatlichen Kontext hoffen und wurde zunächst zu einem wandernden Alchemisten. Damit gehörte er zu ­einer Kategorie von historischen Akteuren, die als Abenteurer und Projektemacher unter zumeist prekären Bedingungen auf wechselhafte Weise für ihre Subsistenz sorgen ­mussten.6 Schon zeitgenössisch schälte sich eine äußerste Skepsis gegenüber dieser Gruppe heraus, die sich »sans caractere & sans domicile«7 tollkühn in Geschäfte stürzt bzw. aus schierer materieller Not auf betrügerische Weise Luftschlösser zu verkaufen suchte.8
Vor diesem Hintergrund soll am Fall Hatzel exemplarisch der Frage nachgegangen werden, wie sich dessen Aktivitäten als Alchemist und Projektemacher unter wirtschaftshistorischen Fragestellungen konturieren lassen. Louis de Hatzel oder der Baron de Chèvremont, wie er sich wohl in erster Linie für Geschäftszwecke ­nannte,9 suchte bei seinen fürstlichen Korrespondenzpartnern Protektion und Unterhalt, für die er ihnen im Gegenzug alchemistische Dienstleistungen anbot. Die hieraus resultierende Beziehung wurde sowohl von Hatzel selbst wie auch von seinen Korrespondenzpartnern als »commerce« bezeichnet.10 Diese Handelsbeziehung wiederum schloss eine Klientel­beziehung ein, so definierte Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld (­1674–1735)11 das Verhältnis zu Hatzel als »nostre commerce et que je vous entretient«.12
Das alchemistische Wissen und die damit verbundenen materiellen Produkte, mit denen Hatzel handeln wollte, sind dabei im Kontext einer Alchemie zu verstehen, die keine auf Goldherstellung beschränkte Domäne darstellte. Vielmehr war sie eine »Theorie und Praxis stofflicher Umwandlung«, die auf verschiedene Gebiete appliziert wurde, wie die Medizin und technische Überlegungen etwa in Bergbau und Manufakturwesen.13 Gerade für das ausgehende 17. und beginnende 18. Jahrhundert ist in diesem Zusammenhang auf die Verflechtung alchemistischer Rationalitäten verwiesen worden, die den konkreten forschenden Umgang mit der Natur in einen metaphysisch begründeten transzendenten Sinnbezug einbettet. Dies unterscheidet sie von einer natur­forschenden Selbstreferentialität.14 Zugleich stellt Pamela Smith mit Blick auf das späte 17. und beginnende 18. Jahrhundert fest:
»Alchemy became a route to favor, a language of monarchical self-representation, and also […] an activity that mediated between noble and commercial culture. (For if the ­alchemist was not an outsider at the early modern court, the merchant and his commercial practices were).« 15
Im Folgenden soll nun zunächst der biographische Hintergrund Louis de Hatzels ­umrissen werden, um in einem zweiten Teil nach einem möglichen Umgang mit dem Begriff des Unternehmers im vorliegenden Kontext zu fragen. Im dritten Teil der Überlegungen schließlich werden die Geschäftsbeziehungen Hatzels zu Pfalzgraf Christian von Zweibrücken-Birkenfeld und Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt (1667–1739) zur Analyse herangezogen.
2 Elsässische Irrungen und Wirrungen
Tatsächlich plante Louis de Hatzel keinerlei Attentate auf August von Polen-­Sachsen im Auftrag Stanisław Leszczyńskis. Seine zu Beginn der 1730er Jahre brieflich immer wieder beteuerte Loyalität und Anhänglichkeit an den polnischen Ex-König und ­königlich-französischen Schwiegervater erklärt sich viel eher aus dem Versuch, eine nützliche Klientelbeziehung zu Leszczyński aufzubauen.16 Dabei konnte Louis de ­Hatzel an der persönlichen Bekanntschaft anknüpfen, die Leszczyński mit seinem Vater Jean Gaspard de Hatzel verband und vermutlich in die Exilzeit des ehemaligen Königs im elsässischen Wissembourg/Weißenburg zwischen 1719 und 1725 zurückreichte.
Bereits Jean Gaspard de Hatzels Vater war Avocat des Conseil souverain d’Alsace, während er selbst als Syndikus der Stadt Straßburg Karriere machte und dabei sowohl die Nobilitierung der Familie als auch kurzzeitig das Amt des Lieutenant-Bailli von Hagenau erreichte.17 Damit wurde Jean Gaspard de Hatzel zwar zu einem untergeordneten, nichtsdestoweniger lokal unmittelbaren Amtsträger und zentralen Vertreter der französischen Krone im nördlichen Elsass mit relativ guten Verbindungen zum französischen Hof, für den er auch in vertraulichen Missionen agierte.18
Während zumindest Jean Gaspards Sohn Antoine eine unauffällige Karriere im ­Militär machte,19 schlug Louis – der älteste Abkömmling – aus der Art. ­Sogar ­Léonor-Marie du Maine, Comte du Bourg, Intendant des Elsass und Maréchal de France – wusste 1733 von Louis de Hatzel zu berichten: Er habe sich schon mit fünfzehn Jahren mit dem ­Vater überworfen, reise durch die Welt und führe »une vie aussi folle que libertine«. Er habe bei verschiedenen Leuten Geld geliehen, das der Vater zurückerstatten musste, sei ­zwischendurch in Wien gesichtet worden und befinde sich nach seiner Entführung durch August von Polen-Sachsen nun wohl in der Nähe von ­Frankfurt.20 Wahrscheinlich in den Jahren nach 1700 geboren,21 befand sich Louis de Hatzel jedenfalls 1723 anscheinend in Wien,22 drei Jahre später tauchte er in Begleitung eines gewissen Baron de Beaufremont wohl im habsburgisch-oberschlesischen Tarnowitz/Tarnowskie Góry auf,23 um kurz darauf im kurmainzischen Höchst einzutreffen.24 Im September 1728 engagierte sich Louis de Hatzel unter dem Namen Louis de Mignaty aus Brünn in ­Mähren als Kadett für sechs Jahre in einer Kompanie von ­mineurs, die Teil der königlich-­französischen Artillerietruppen waren.25 Man mag spekulieren, ob Hatzel hier auch im Rahmen seiner Ausbildung mit chemischen ­Grundlagen vertraut gemacht wurde, da gerade der Umgang mit Sprengstoff zu den Aufgaben der Mineure gehörte.26 Sehr tiefgehend hätte aber solch ein Kenntniserwerb kaum geraten können, denn schon im November 1729 erhielt er eine Beurlaubung für einige Wochen, aus der er nicht mehr zurückkehrte.27 Einen Hintergrund für die Desertion aus der ­Armee mag man dabei im Drängen des Pfalzgrafen Christian von Zweibrücken-­Birkenfeld suchen, für den Hatzel zu dieser Zeit bereits alchemistisch tätig war. Metz – der ­Stationierungsort ­Hatzels28– schien dem Pfalzgrafen weder in Hinsicht auf die alchemistischen Experimente Hatzels ideal noch hielt er es für ein sicheres Versteck außerhalb der Einflussweite des wohl gegenüber dem Sohn noch immer erzürnten Jean Gaspard de ­Hatzel.29 Infolgedessen und auf Vermittlung von Zweibrücken-Birkenfeld fand sich Louis de Hatzel im Dezember desselben Jahres schließlich in Frankfurt am Main.30 Bis zu seiner Entführung durch polnisch-sächsischen Greiftruppen im Oktober 1731 weilte Hatzel anscheinend in Frankfurt und Offenbach.31 Nach seiner Freilassung aus der Haft finden sich seine nächsten Spuren dann in den Jahren 1733 und 1734 in Herborn und Frankfurt,32 bis er sich 1735 in Büdingen aufhielt.33 Nach einer weiteren Verhaftung und einem Prozess in der Grafschaft Hanau im selben Jahr, wurde Louis de Hatzel wohl in den 1740er Jahren in London gesehen. Schließlich erschien er wohl in den Niederlanden als württembergischer Agent und Jünger des theosophischen ­Mystikers Emanuel Swedenborg.34
Die geographisch-biographischen Wirrungen des von zu Hause entlaufenen und mittellosen Louis de Hatzel sind zumindest bis 1735 nicht zuletzt im Kontext seiner elsässischen Herkunft zu verstehen. Sein Versuch, eine Klientelbeziehung zu Stanisław Leszczyński in Anschluss an dessen Zeit in Wissembourg aufzubauen, steht dabei nicht allein. Vielmehr ist er symptomatisch für die Bemühungen, von einem ganzen Netzwerk benachbarter Reichsfürsten zu profitieren. Auch die Kontaktaufnahmen zu ­Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld zwischen 1729 und 1731 und zu Ludwig Ernst von Hessen-Darmstadt Mitte der 1720er und Mitte der 1730er Jahre knüpfen jeweils an die direkten Bekanntschaften mit Jean Gaspard als französischem Amtsträger an.35 Leszczyński wiederum erbot sich darüber hinaus, Louis de Hatzel auch noch einmal seinerseits Christian III. von Zweibrücken-Birkenfeld zu empfehlen und darüber hinaus Kontakte zu Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach (1679–1738) und zu Gustav Samuel Leopold Pfalzgraf von Zweibrücken (1670–1731) herzustellen, der allerdings schon kurz danach verstarb.36
3 Der alchemistische entrepreneur und die Ökonomie der Ungewissheit
Noch in polnisch-sächsischer Festungshaft konnte sich Louis de Hatzel nicht enthalten, sogar demjenigen selbst, der ihn hatte festsetzen lassen, seine Kompetenzen zu ver­kaufen. In zwei Briefen an August II. von Polen, Kurfürst von Sachsen ­versicherte ­Hatzel dem Herrscher, er habe schon seit langer Zeit an dessen Sieg in Polen-­Litauen gearbeitet, ja, er verfüge über die geeigneten Mittel, die ­Faktion Leszczyńskis zu ­ruinieren, indem er »das Objekt seiner Hoffnung, und das Idol seiner Seele« zerstöre. August müsse Hatzel lediglich »in einem einzigartigen ­Wagemut« erlauben, ihm »la Chose Sensible« zu verkaufen.37 Um was es sich bei diesem ­metaphysisch-magischen Mittel handelt, das August die unumstrittene polnische Herrschaft verschaffen sollte, erfuhr Letzterer jedoch zunächst nicht. Denn die magische Abstraktion verlangte Materialisierung und dafür wollte der Häftling vom Herrscher zunächst einen Brennofen gekauft und installiert bekommen, zusammen mit den nötigen Experimentiermaterialien wie reinem Gold und Silber, Weingeist etc., dazu einen Schreibtisch, Seiden­taschentücher, neue Hemden und Hosen und was ein Mann von Stand für Experimente sonst brauchte. Dabei machte Hatzel August klar und deutlich, dass er kein Geld mehr hatte, um seinen Diener zu halten oder auch nur für Essen in der Festungshaft aufzukommen. In diesem Sinne sei sein Vorschlag doch aber zu »Eurem Vorteil, und Eurem persönlichen Ruhm, die Glückseligkeit ­Eurer ­Völker und für meine ­Subsistenz«,38 zudem sei das Projekt angesichts dieser Aussichten mit 1305 Talern recht günstig zu bekommen. In diesem Sinne legte Hatzel ein hart kalkuliertes Projekt vor.
Mit den viel diskutierten mehr oder weniger historisch-genetisch erklärten Unternehmerheroen Max Webers oder Werner Sombarts,39 bzw. mit der heldenhaft zerstö­rerischen Kraft des Unternehmers als Innovationsagenten bei Joseph Schumpeter 40 hat Louis de Hatzel wenig gemein. Bereits vor längerer Zeit hat man aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive die Kohärenz des Unternehmerbegriffs problematisiert.41 Aus historischer wie soziologischer Perspektive ist dabei in Frage gestellt worden, ob und inwieweit der Typus des Unternehmers überhaupt sinnvoll systematisch zu beschreiben und zu definieren ist – ganz im Gegensatz zum Unternehmen als Organisation.42 Die Überlegungen zum Unternehmer als ökonomischem Akteur haben in diesem Sinne sogar dahin geführt, ihm als Typus ökonomische Substanz überhaupt abzusprechen.43 In der Konsequenz stellt etwa Georg Eckert fest: »Ökonomisch konturiert vermochte Unternehmertum am Beginn der Neuzeit schon deshalb nicht zu sein, weil das neue Konzept zunächst eine alte Praxis einer vagen Idee einbeschrieb.«44
Wenn man sich vor diesem Hintergrund dem Sprachgebrauch des 18. Jahrhunderts zuwendet, liegt der Bezug zum viel zitierten Essai sur la nature du Commerce von ­Richard Cantillon (ca. 1680–1734) nahe, der erstmals 1755 auf Französisch im Druck erschien.45 Cantillon teilte jede menschliche Gesellschaft in drei Gruppen ein: Herrscher und Landbesitzer, Bezieher fester Pensionen und entrepreneurs. Der Löwenanteil der Gesellschaft besteht dabei aus Letzteren – vom Händler über alle Arten von Handwerkern und Tage­löhnern, den Arzt und Anwalt bis hin zum Dieb.46 Vom Schumpeter’schen Unternehmer unterscheidet sich Cantillons entrepreneur schon wesentlich dadurch, dass er durch seine soziale Position in der Gesellschaft hierarchisch gekennzeichnet ist.47 ­Gemein ist wiederum den Cantillon’schen Unternehmern, dass sie im Gegensatz zu Landbesitzern als abhängige ökonomische Akteure in einer entscheidenden Mittlerposition für alle wirtschaftliche Aktivität charakterisiert werden,48 die unter unsteten Bedingungen das Produkt ihrer Arbeit immer erneut verkaufen müssen.49 Auf diese Weise sind sie vom Besitz und vom Umlauf des Geldes – und damit auch von anderen Unternehmern, die eben nur mit Geld handeln – abhängig. Geld jedoch sieht Cantillon als eine stark risiko­behaftete ökonomische Größe an.50 Überhaupt ist die Gruppe der Unternehmer, eben eine gesellschaftliche Gruppe »a gage incertain«,51 in erster Linie durch Ungewissheit geprägt, so schon durch die Ungewissheit, genug zu erwirtschaften, und durch die Gefahr, um Einkünfte geprellt zu werden. Voraussetzung für einen funktionierenden wirtschaftlichen Austausch ist somit das Vertrauen zwischen den Beteiligten, das die Ungewissheiten von Transaktionen reduziert.52 Dieses Vertrauen herzustellen scheint im Übrigen mit einem Blick auf die zeitgenössischen Definitionen von entreprise umso notwendiger, die zumindest für den französischen Fall, wo der Begriff nachvollziehbar in Gebrauch war, breiter untersucht worden sind.53 Hierbei ist zu konstatieren: »Toute entreprise implique de la hardiesse, est une action risquée.«54
Risiko und Unsicherheit sind auch modernen systematischen Überlegungen zum Unternehmertum nicht fremd. Denn der entscheidenden Trennung von Unternehmer und Kapitalist, mit der Schumpeter das Risiko zumindest idealtypisch dem Kapitalisten zuschreibt, auch wenn Letzterer identisch mit dem Unternehmer sein kann, stehen andere Erklärungsmuster zur Seite.55 In Anschluss an die Theoriebildung von Frank H. Knight etwa bilden Risiko und Unsicherheit sogar das wesentliche Erklärungsmuster von Unternehmertum,56 wobei zumeist zwischen »Risiko« als berechenbarer Unge­wissheit und der »Unsicherheit« als schwer abschätzbarer Ungewissheit unter den Bedingungen geringer Informiertheit und dem daraus folgenden Entscheidungsprozess differenziert wird.57 Gerade aus der Unsicherheit heraus jedoch erklärt Knight die Entstehung von Profit aus unternehmerischer Handlung.58 In dieser Hinsicht unterscheidet sich der ­entrepreneur ­Cantillons letztlich kaum von einem auf solche Weise definierten modernen Unternehmer.59 Unterscheiden mögen sich die Vorstellungen, aber auch Praktiken des Unternehmertums im 18. Jahrhundert jedoch zum einen dadurch, dass die Unsicherheit des entrepreneurs in prominenter Weise mindestens genauso mit dem Profit wie mit der Gefahr eines potentiellen Scheiterns verbunden war.60 Wenn man darüber hinaus ein funktionalistisches Verständnis von Unternehmertum vermeidet, um von einer historisierten Definition nicht nur des frühneuzeitlichen Unternehmers, sondern entsprechend auch des Marktes auszugehen, wurde Letzterer – wie in der sozial-hierarchischen Definition Cantillons bereits angeklungen ist – von spezifischen Beziehungen und Mechanismen strukturiert.61 In diesem Zusammenhang bildete aufgrund der allgemeinen Unwägbarkeiten des Informationsaustausches die Unsicherheit einen wesentlichen Faktor unternehmerischen Handelns.62 Zudem beschränkten sich marktförmige Transaktionen in der Frühen Neuzeit beispielsweise nicht auf monetäre Bezahlprozesse. Alles marktförmige Handeln des entrepreneurs stand mithin in enger Verbindung zu den zeitgenössischen »Semantiken, Institutionen und Praktiken« des Wirtschaftens.63 Dies betraf Prinzipien der gegenseitigen Absicherung gegen ein mithin strukturell drohendes Scheitern ebenso, wie die Herstellung von Vertrauen und die Erhaltung der eigenen Vertrauenswürdigkeit und Ehrbarkeit.64
Gerade Vertrauen brachte man hingegen politisch-ökonomischen Akteuren nur sehr beschränkt entgegen, die im 17. und 18. Jahrhundert als »Projektemacher« erheb­liche Aufmerksamkeit erfuhren.65 In der Forschung teils gar als eine Form des entrepreneurs bezeichnet,66 handelte es sich bereits nach der zeitgenössischen Einschätzung ­zumindest teils um Personen, die wegen ihrer prekären Einkommenslage 67 eben nicht mit im Rahmen des Möglichen verlässlich einschätzbaren Produkten oder Dienstleistungen handelten. Die Assoziation mit dem Abenteurer lag entsprechend nahe.68 Die Projektemacher boten Pläne zum Verkauf, die teils weit von einer Konkretisierung entfernt waren und in diesem Sinne »folles entreprises« darstellten.69 Projekte­macher »gingen dabei sozusagen ein doppeltes Risiko ein, denn sie mussten einerseits Entscheidungen treffen und gleichermaßen andererseits mit diesen Entscheidungen handeln«.70
Die Kategorie des »Projektes« stand schon von ihrer semantischen Entstehung her eng mit der Alchemie in Verbindung und bildete gewissermaßen eine abstrahierte Form des alchemistischen Transmutationsversprechens.71 Während im Fall von Projekten Pläne und Ideen zur Handelsware wurden, blieb die Alchemie dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur der avisierte Plan zwangsläufig auf ein stoffliches Produkt hinauslief. Vielmehr war dem ganzen Prozess der Stofffindung, der Teil des alchemistischen Projektes war, bereits das Ineinandergreifen von theoretischem Wissen und Materiali­sierung inhärent.72 Im Sinne der Knight’schen Unterscheidung von Risiko und ­Unsicherheit bezog sich Letztere bei alchemistischen Projekten sowohl auf den technischen Prozess wie auf dessen ungewissen Ausgang. Zwar waren gewisse technische Grundkomponenten der Experimentation bekannt und es existierte eine Reihe kanonischer Stoffe und bekannter Wandlungsmechanismen. Allerdings waren die Tradition praktischen Wissens und seine Zusammenführung mit theoretischen Ausführungen nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Geheimhaltung als Grundprinzip der Alchemie stets prekär.73 Auch das vom alchemistischen entrepreneur handelbare Endprodukt war grundsätzlich unsicher, da es wiederum von der Modifikation und Neukonfiguration der bekannten Produktionskomponenten abhing. Erst das Versprechen also, auf risikoreiche Weise Unsicheres, da Einzigartiges, zu materialisieren, wurde zum handelbaren Projekt des Alchemisten.
Die haptisch-tangible Dimension des Produktionsprozesses wie des Endproduktes machte die Handelsware des alchemistischen entrepreneurs dabei ebenso direkt überprüfbar wie bei Rückschlägen oder Misserfolgen unmittelbar prekär. August von Polen und Sachsen jedenfalls nahm die Offerte seines Häftlings Louis de Hatzel nicht an, einen Stoff zu schaffen, der ihm die unumschränkte Herrschaft in Polen-Litauen garantierte. Außergewöhnliches hatte Hatzel als alchemistischer Unternehmer für sein Projekt dabei gar nicht gefordert – angefangen vom Aufkommen des Königs für seine Subsistenz bis hin zu den klassischen Arbeitsmaterialien. Allein, das Misstrauen in den eigenen Häftling sowie die Unsicherheit, mit Erfolg einen Stoff zu produzieren, der August die absolute Herrschaft in Polen-Litauen garantierte, schienen dann wohl doch zu groß.
4 Der steinige Weg des Weisen: Hatzels Versuche als entrepreneur
Auch Augusts Hauptgegner in den Auseinandersetzungen um die polnische Krone, Stanisław Leszczyński, zeigte sich mäßig begeistert von Louis de Hatzels alchemistischen Angeboten. Als patronale Empfehlung legte er Hatzel nahe, von »einer zweifelhaften und unsicheren Wissenschaft« abzusehen. Zudem könne er – trotz aller anerkennenswerten Bemühungen Hatzels – keine soliden Ergebnisse von dessen entreprise erkennen. Er solle sich doch besser der anderen Talente bedienen, die ihm die Natur verliehen habe, um fortune zu machen.74 So recht wollte Hatzel seinerseits jedoch nicht auf die gut gemeinten Ratschläge eingehen.
Die sächsischen Häscher Louis de Hatzels hatten bei seiner Verhaftung in ­Offenbach eine minutiöse Liste der bei ihm gefundenen Habseligkeiten angelegt. Neben wenigen alchemistischen Druckschriften und einem Dutzend handschriftlicher Traktate, Rezepte, Bauanleitungen und Notizen, bestand die Habe Hatzels vor allem aus einem umfangreichen Bestand an Korrespondenzen.75 Die Briefe, die Hatzel an verschiedene Höfe und Monarchen adressierte, sind dabei von dem Versuch des alchemistischen Neulings charakterisiert, prominente Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Bezeichnenderweise scheiterte er in dieser Hinsicht regelmäßig dann, wenn seine soziale Position gar nicht erst ausreichte, um als vertrauenswürdiger Ansprechpartner wahrgenommen zu werden. Dies war sowohl im Fall des russischen Hofes und sogar des französischen Hofes zu beobachten.76 Die preußische Antwort auf Hatzels Angebote eines alchemistischen Projektes zweifelte ganz exemplarisch daran, mit einem Unbekannten zu verhandeln, von dem man weder »sa patrie« kenne noch wisse, »dans quel Etat il se trouve«.77 Angesichts dieses Misstrauens nützte Louis de Hatzel auch die selbstgewählte adlige ­Aufwertung zum Baron de Chèvremont herzlich wenig.78 Zwei zeitweise ­erfolgreiche Geschäfte vermochte er hingegen gerade dank der tatsächlichen Position seiner ­Familie, insbesondere seines Vaters als frisch geadeltem französischem Amtsträger und Teil der elsässischen Lokaleliten, anzubahnen.
4.1 Der kurze Weg zum Göttlichen: Hatzel und Christian von Zweibrücken-Birkenfeld
Louis de Hatzels bester und langfristigster Kunde war Christian von Zweibrücken-­Birkenfeld. Ganze vier Jahre – nämlich zwischen 1727 und 1731– hielt Birkenfeld ­Hatzel aus, investierte in dessen Person ebenso wie in dessen alchemistische Anstrengungen. Zu trennen war beides eben kaum, denn zwischen Birkenfeld und Hatzel griff ein ­Patronageverhältnis, das »ein[e] klienteläre Rundumversorgung« umfasste.79 ­Birkenfeld kam für Hatzels Unterhalt auf und sorgte finanziell und mit ­Kontaktadressen für dessen Umzug von Metz nach Frankfurt am Main.80 In Verbindung mit dem Verkauf seiner alchemistischen Dienstleistung suchte Hatzel überdies die Protektion ­Birkenfelds im Konflikt mit seinem Vater. Hierbei erwartete er eine Vermittlungs­leistung des Pfalzgrafen, die Letzterer auf sich zu nehmen auch zusicherte.81 Voraussetzung für die recht lange Beziehung zwischen Birkenfeld und Hatzel war zum einen die geradezu strategisch eingesetzte Portionierung des alchemistischen Wissens, das Louis dem Pfalzgrafen – durchaus zu dessen Ungeduld und Unwillen gereichend – nur in kleinen Dosen zukommen ließ.
Im Falle des Pfalzgrafen von Zweibrücken-Birkenfeld erwies sich gleich die erste alchemistische Kontaktaufnahme Hatzels als äußerst erfolgreich. Der entrepreneur schickte seinem prospektiven Kunden einige, seiner Ansicht nach besonders geeignete Druckschriften zur Alchemie und zugleich eine materielle Probe seines eigenen Könnens. Hiermit war der Gegenstand der nachfolgenden Geschäftsbeziehung zumindest angebahnt: Zunächst erbot sich Hatzel, Birkenfeld tiefer in die Techniken der Alchemie einzuführen. Was dieses Angebot für Birkenfeld unter anderem attraktiv machte, war das Versprechen Hatzels, er würde dem Pfalzgrafen »un chemin plus court qu’à l’ordinaire« bieten, um »cett art Divin« zu erlernen.82 Dazu musste der Alchemist seinem Kunden einerseits Grundkenntnisse vermitteln, wozu er ihm allgemein bekanntes Wissen in Form von Büchern und Druckschriften zusandte,83 womit er im Übrigen sogleich seine eigene Kenntnis solcher basalen Informationen zur Schau stellen konnte. Dieses Wissen bildete andererseits nur die Folie, vor der Hatzel sein eigenes Spezial- und Geheimwissen verkaufen konnte. Den Wert und die Fachlichkeit seiner arkanen Kenntnisse wiederum demonstrierte er nicht zuletzt, indem er Birkenfeld seine alchemistischen Anweisungen auf Latein schickte – und dies zu dessen Verzweiflung, flehte der Pfalzgraf doch mehrfach, Hatzel möge ihm alles auf Französisch übersetzen, da er Latein nicht beherrsche.84
Die Vermittlung theoretischen und praktischen Wissens stellte allerdings nur einen Teil des alchemistischen Projektpakets dar. Wenn man der Reaktion Birkenfelds folgt, spielte es eine mindestens ebenso wichtige Rolle für die Anknüpfung der Geschäftsbeziehung, dass Hatzel gleich zu Beginn der Kontaktaufnahme einen stofflichen ­Beweis des eigenen Könnens präsentierte. Worum es sich hierbei handelte, wird ganz im Sinne des Geheimnisses, das den alchemistischen Diskurs konstitutiv durchzieht, niemals erwähnt.85 Birkenfeld jedenfalls berichtet, er habe die stoffliche Probe von Hatzels Können, dessen »Werk«, einer genauen Prüfung unter einem Mikroskop in der Sonne unterzogen. Zur kritischen Beurteilung zog der Pfalzgraf darüber hinaus noch zwei seiner Amtsleute heran, deren verwundertes Urteil, »qu’il n’ont jamais rien vue de ­pareille«, ihn in seiner grundsätzlichen Bereitschaft zur Geschäftsaufnahme ­bestätigte.86 Für beide Seiten handelte es sich somit um eine zunächst erfolgreiche ­Minimierung der Unsicherheit, die der alchemistische entrepreneur seinerseits durch das Übersenden einer Stoffprobe angestrebt hatte. Zwar handelte es sich nach eigener Auskunft Hatzels noch nicht um den angestrebten perfekten Endzustand des Stoffes.87 Aber Birkenfeld als Geschäftspartner hatte im Rahmen seiner Möglichkeiten dessen ­Potentiale mit Hilfe möglichst exakter Untersuchung und kritischer Beratung ausgelotet und damit die Unsicherheit des Geschäftsgegenstandes zu einem abschätzbar geringen Risiko minimiert.
Nach dem recht enthusiastischen Auftakt sollte es jedoch noch rund zwei Jahre dauern, bis die Geschäftsbeziehung zwischen Birkenfeld und Hatzel konkret in Gang kam. Zunächst brachte Birkenfeld zwischen Herbst 1727 und dem Frühjahr 1729 einige materielle Vorleistungen in Form von Geschenken; schließlich trafen sich beide Protagonisten des Handels persönlich.88 Erst nachdem auf diese Weise eine stabilisierte Klientelbeziehung aufgebaut worden war, verkündete Birkenfeld Hatzel offiziell, er akzeptiere das Angebot, »ce que vous m’offrez«.89
Mithin bestand die Risikominimierung für den entrepreneur und dessen Geschäftspartner aus zwei Komponenten: (1) aus dem Versuch, die alchemistischen Kompetenzen als theoretischen und stofflich greifbaren Wissensbestand nachzuweisen, sowie (2) aus der Etablierung einer Klientelbeziehung. Am Fall Hatzels und Birkenfelds lässt sich nachvollziehen, wie gerade diese Klientelbeziehung wiederum die Geschäftsbeziehung ebenso stark überprägte wie zugleich destabilisieren konnte. Durch sein Verhalten konterkarierte Hatzel nämlich die Schutzfunktion seines Patrons wiederholt, indem er nicht auf dessen Aufforderungen und Ratschläge einging. Insbesondere zeigt sich dies bei seiner Lebensführung. Erwartete Birkenfeld, dass sein Alchemist sich möglichst diskret verhalte, schien Hatzel sich bei allen Gelegenheiten mit dem absoluten Vertrauen zu brüsten, das ihm der Pfalzgraf entgegenbrächte.90 Letzterer fühlte sich gar bemüßigt, Hatzel deutlich zu ermahnen, dass eben dessen mangelnde Diskretion und Bescheidenheit ihn erst in die Prekarität getrieben habe, in der er sich befinde.91 Die Kritik Birkenfelds zielte zudem auf Hatzels Lebensstil mit hohen Repräsentationskosten, den Letzterer allem Anschein nach seiner sozialen – adligen – Rolle nach für angemessen hielt.92 Allerdings verzichtete Birkenfeld auch nicht darauf, Hatzel seinerseits etwa einen Edelstein besetzten Silbersäbel anfertigen zu lassen, der ihm einen ­angemessenen gesellschaftlichen Auftritt nach der aktuellen Mode ermöglichte.93
Der Wunsch Christians von Birkenfeld-Zweibrücken, Louis de Hatzel möge ihm einen möglichst kurzen und verständlichen Weg zum göttlichen Geheimnis der ­Alchemie verschaffen,94 ging nicht in Erfüllung. Dies konnte schon deshalb nicht in Hatzels Interesse sein, da die Aufdeckung des Geheimnisses zugleich die Erfüllung des Kontraktes und somit die Beendigung der Geschäfts- und Klientelbeziehung bedeutet hätte. Dem Fürsten kleine und stets unzureichende Portionen von Materialien und Wissen zukommen zu lassen, erwies sich in diesem Sinne als ebenso notwendig wie gefährlich. Denn das steigende Desinteresse des Kunden und Patrons an dessen eigenen alchemistischen Fortschritten95 musste Hatzel mit Erfolgsmeldungen über sein eigenes Vorankommen bei der Vervollkommnung und Produktion der geheimen Göttlichen Sache ausbalancieren.96 Dies vermochte er hingegen mit einigem Erfolg, der wohl nicht zuletzt durch ein weiteres persönliches Zusammentreffen mit Birken­feld befestigt wurde.97 Dass die Beziehung Birkenfelds und Hatzels schließlich in einem Eklat endete, hatte in diesem Sinne zunächst noch nichts mit dem ausbleibenden greifbaren Erfolg der Alchemie zu tun. Vielmehr wurde der finale Konflikt zwischen beiden durch Vorwürfe und ein Verhalten Hatzels ausgelöst, die der Pfalzgraf von Zweibrücken-­Birkenfeld als ­Unverschämtheit empfand.98 Erst als die persönliche Auseinandersetzung das Vertrauen ­Birkenfelds zerstörte, zog er in der Konsequenz auch das alchemistische Projekt und die Kompetenzen Hatzels in Zweifel. Der ­Alchemist, so warf der Fürst ihm vor, habe sein Vertrauen missbraucht und seine Börse geleert. Im Gegenzug musste der Prinz enttäuscht konstatieren: »Pour tout fruit je n’ay que vos belles promesses passées.«99
Ökonomisch eine Beziehung zwischen Patron und Klient auf die konkrete Gegengabe als Antwort auf eine spezielle Gabe zu reduzieren, lag weniger im Erwartungshorizont solch eines Verhältnisses.100 Entsprechend darf man im Fall von Birkenfeld und Hatzel nicht nur von einer »Kreuzung von Gaben- und Marktökonomie«,101 sondern von deren intrinsischer Verflechtung sprechen. Wenn man davon ausgeht, dass der spezifische Markt für Alchemisten und Projektemacher sich im Kontext von Höfen und Fürsten konstituierte,102 zwang die sozial prekäre Lage Hatzel dazu, sein unternehmerisches Angebot zwangsläufig in eine hierarchisch asymmetrische, ständische Grundkonstellation einzupassen. Folglich diente zwar das anfängliche Angebot des ­alchemistischen entrepreneurs Hatzel dazu, Kontakt zu einem Kunden aufzunehmen. Zugleich jedoch versprach die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, dass sich jene eben als Klientelbeziehung strukturierte. Dies schien Hatzel in seinem adligen Selbstverständnis eine durchaus nicht dauerhaft erstrebenswerte, jedoch ständisch übergangsweise akzeptable Lösung. Denn der wohl immer noch erzürnte Vater Hatzel war zuvor nicht bereit gewesen, dem verlorenen Sohn auf andere Weise zu Hilfe zu kommen. Dabei hatte Louis seinem Vater sogar in seiner Not versprochen, die Anstellung und »la Conduite d’un Cabinet« auf sich zu nehmen, bis seine problematische Situation in Frankreich geklärt sei.103
4.2 Hessisches Glasperlenspiel: Hatzel und Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt
Die glückliche Nachricht erreichte Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt im August 1733: Louis de Hatzel, Baron de Chèvremont, hatte das alchemistische Meisterstück der Transmutation zur Goldherstellung vollbracht: »Je me restrains a l’Honeur de vous dire, Monseigneur, qu’entre autres Choses je sais le secret […] de fixer la Lune et de la convertir […] dans toute sa Substance en or.«104 Zu diesem Zeitpunkt war Hatzel dem Landgrafen schon länger kein Unbekannter mehr. Bereits sieben Jahre zuvor hatte Hatzel Kontakt mit ihm aufgenommen, als er – damals noch im Schlepptau seines alchemistischen Lehrmeisters, eines Baron de Beaufremont – im Hessischen aufgetaucht war und sich mehr schlecht als recht mit seinen Künsten zu etablieren versucht hatte.105 Nun jedoch, einige Zeit nach seiner Entlassung aus polnisch-sächsischer Festungshaft hatte der mittlerweile selbständig agierende Hatzel also den Schlüssel zur Lösung aller hessisch-darmstädtischen Finanzprobleme gefunden. Dass Landgraf Ernst Ludwig die wahrscheinlich einmalige Chance zur kostengünstigen Goldgewinnung verpasste, lässt sich nicht zuletzt aus dem Fortgang der Korrespondenz mit Hatzel schließen. Letzterer wechselte aber nun das Register. Da die Schulden des Fürsten augenscheinlich anders nicht zu begleichen waren, legte Louis de Hatzel jetzt ein »projet« vor, das sich auf das Gebiet finanztechnischer Operationen vorwagte und die Begleichung landgräflicher Schulden sowie die Aufrechterhaltung von dessen Kreditwürdigkeit garantieren sollte.106
Die Beziehung Hatzels zu Landgraf Ernst Ludwig durchlief zwischen den Jahren 1726 und 1735 mehrere Phasen. Als Louis 1733 den seit einigen Jahren unterbrochenen Briefkontakt wiederaufnahm, geschah dies zunächst als Bittsteller. Er suchte die Protektion des Herrschers von Hessen-Darmstadt in seinem Konflikt mit den Grafen von Ysenburg, der auf seine Verhaftung durch die polnisch-sächsischen Greiftruppen 1731 in Offenbach zurückging.107 Doch schon bald begleitete Hatzel seine Bemühungen um Schutz und Hilfe mit den eben geschilderten Angeboten, die zwischen klassisch alchemistischen Offerten und finanzieller Projektemacherei changierten. Beide Angebote schienen hingegen im Sande zu verlaufen, so dass sich die Aktivitäten Hatzels recht bald auf einen weiteren sehr aktuellen Markt im Rahmen der Alchemie verlegten. So ist es wenig verwunderlich, dass Hatzel in einem Brief an den Landgrafen diplomatisch das Scheitern eines weiteren »Projektes«, für das er als Mittelsmann aufgetreten war, erklären muss und ihm im gleichen Atemzug einen Herstellungsprozess für Goldrubinglas vorschlägt.108
Die Herstellung dieses Glases war, insbesondere seit der technisch erfolgreichen und ästhetisch überzeugenden Produktion durch Johannes Kunckel in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts ein ebenso vielversprechendes wie umkämpftes Geschäft.109 Zwar hatte Kunckel es in Brandenburg vermocht, ­Gläser hoher Qualität und farblicher Reinheit herzustellen. Angesichts eines technisch äußerst anspruchsvollen und fehleranfälligen Produktionsprozesses erwiesen sich jedoch Nachahmungen seines Vorgehens als sehr komplex und nicht immer erfolgreich.110 Dabei hatte Kunckel selbst zumindest Teile seiner Glasherstellungstechniken in einem Druckwerk veröffentlicht, das bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts mehrfach aufgelegt wurde.111 In diesem Sinne verriet Hatzel dem Landgrafen von ­Hessen-Darmstadt wahrscheinlich keine allzu sensiblen Geheimnisse, wenn er ihm detaillierte Rezepte der Buntglasherstellung in Form eines »Modus auß allen Metallen fixe durchscheinende hoch gradiste Stein […] zu machen, welche den natürlichen im Geringsten nichts nachgeben«,112 zukommen ließ.
Die detaillierten Rezepte und ausführlichen Beschreibungen seines eigenen technischen Vorgehens unterscheiden die Briefe Hatzels an Ernst Ludwig deutlich von der Korrespondenz mit Christian von Zweibrücken-Birkenfeld. Wiederholt schilderte der Alchemist über viele Seiten die Probleme des Ofenbaus und der Temperaturkontrolle sowie Verfahrensweisen des Glasschmelzens und des Einarbeitens von Metall.113 Dass die geheimen Arbeitsprozesse wenigstens teilweise ostentativ gelüftet wurden, diente zunächst dazu, die beständigen Bitten um Geld für die Fortsetzung der Arbeit und um Gold als Rohmaterial der Rubinglasherstellung zu rechtfertigen. Dies sollte auch die Vertrauensbasis der beiderseitigen Beziehung aufrechterhalten, die sich hier als wesentlich prekärer erwies als im Falle Birkenfelds. »J’ay une parfaite Confiance en Vous, ayès en, Monseigneur, en Moy, s’il vous plaist«114 – doch solch eine flehentliche Bitte Hatzels an den Landgrafen reichte augenscheinlich nicht aus. Mithin flankierte der frischgebackene alchemistische Glas-entrepreneur seine Korrespondenz mit Paketen, die Proben seiner Arbeiten enthielten. Aber auch hierbei musste Hatzel verstärkte Anstrengungen auf sich nehmen. Dies tat er etwa, indem er versuchte, die Authentizität seines Glases durch die Signatur des Glasmachers aus der Hütte, wo er seine Unternehmung angesiedelt hatte, zu beweisen.115
Der alchemistische Markt Hessen-Darmstadt stellte unter Landgraf Ernst Ludwig für den entrepreneur Hatzel eine gewichtige Herausforderung dar. Zum einen herrschte hier große Konkurrenz. Ernst Ludwig beschäftigte eine ganze Reihe von Alchemisten, von denen sich einige erklecklichen Erfolges beim Fürsten erfreuen durften.116 Zum anderen betrat Hatzel mit der Herstellung hochwertigen Buntglases eine Domäne, die zwar zeitgenössisch durchaus Interesse und damit eine Finanzierung und den Absatz des alchemistischen Projektes versprach. Grundsätzlich schien dabei die Ungewissheit des Geschäftes zumindest für den Abnehmer Ernst Ludwig zum berechenbaren Risiko reduziert, weil durch die zeitgenössische Glasproduktion ein gewissermaßen kodifizierter Vergleichsmaßstab vorhanden war. Allerdings erhöhten sich für den entrepreneur Hatzel damit zugleich die Ungewissheiten: Angesichts des schwer absehbaren Gelingens einer hochwertigen Produktion blieb für ihn selbst die Unsicherheit des Unternehmens beträchtlich – trotz allgemein bekannter Kenntnisse der Herstellungsprinzipien. Noch weitaus schwerer wogen allerdings die Hatzel’schen Schwierigkeiten angesichts einer ausgeprägten Konkurrenzsituation, das Vertrauen und damit die Finanzierung seines Projektes bei Ernst Ludwig zu sichern. Dies erwies sich als umso komplizierter, da sich sein Verhältnis zum Landgrafen erheblich von der relativ engen und ­exklusiven Klientel­beziehung zu Birkenfeld unterschied. Tatsächlich lässt sich konstatieren, dass zwar die erste Kontaktaufnahme zu Ernst Ludwig 1726 auf dessen – wohl eher ­flüchtiger – ­Berührung mit Jean Gaspard Hatzel aufbaute. Die Wiederaufnahme des Briefverkehrs mit dem Landgrafen 1733 war dann in erster Linie durch Bitten um Protektion und Hilfe gegen den Grafen von Ysenburg-Birstein geprägt und rückte die alchemistischen Angebote eher in den Hintergrund.117 Dies änderte sich deutlich bis zum Beginn des Jahres 1735. Die Korrespondenz der ersten Jahreshälfte charakterisiert sich dabei durch einen Mechanismus von Bezahlung für erbrachte Leistung. Jede Bitte um Finanzierung und Rohmaterialien begleitet Hatzel in diesem Sinne mit detaillierten Beweisen seiner Arbeit. Die Vertrauensbasis zwischen dem entrepreneur und Ernst Ludwig wurde mithin nur zu geringen Anteilen durch eine Klientelbeziehung strukturiert. Dies führte wiederum dazu, dass Hatzel das nötige Vertrauen durch seine unternehmerische Gegenleistung herstellen musste. Dass er dies mit beschränktem Erfolg vermochte, führt ihn nicht zuletzt zu dem verzweifelten Stoßseufzer an den Landgrafen: »Monseigneur, j’admire votre Meffiance en moy.«118
Ob aus Louis de Hatzel ein großer Glasmacher geworden wäre, sollten seine Zeitgenossen nie erfahren. Schon im Mai 1735 nämlich ließ der Graf von Hanau einen obskuren Glasmacher festsetzen und verhören sowie dessen Materialien und Aufzeichnungen konfiszieren. Denn ein Risiko mehr hatte Hatzel nicht bedacht: Als Standort seiner Experimente hatte er sich eine Glashütte im Laubersbachtal im Spessart gewählt.119 Trotz eines Passes, den ihm der Landgraf von Hessen-Darmstadt ausgestellt hatte, befand er sich somit im Verwaltungsbereich des Amtes Bieber, das auf Hanauer Territorium lag. Alle Argumente Hatzels, dass es sich bei dem Vorgehen gegen ihn um einen Angriff auf die hessisch-darmstädtische Autorität handelte,120 verfingen allerdings nicht. Das prekäre Vertrauen, das Ernst Ludwig ihm gegenüber ganz offensichtlich hegte, mochte also durchaus nicht dazu ausreichen, dass der Landgraf den Alchemisten gegen die Hanauer Vorwürfe der Falschmünzerei zu verteidigen bereit gewesen wäre.121
5 Fazit
Als Baron de Chèvremont war Louis de Hatzel ein »entrepreneurial alchemist«,122 ohne dass er diese Kondition nachvollziehbar als Dauerzustand anstrebte. Vor dem Hintergrund seiner problematischen persönlichen Situation im heimatlichen Elsass bot die Existenz als Alchemist ihm hingegen einen zumindest zweitweisen Ausweg, um seine Subsistenz und darüber hinaus seine Vorstellungen von einer standesgemäßen Existenz zu sichern. Allerdings wird deutlich, dass er innerhalb und durch seine alchemistische Unternehmung zunächst erfolglos Anstrengungen unternahm, dem Status eines entrepreneur zu entkommen und zu einem derjenigen höfischen Pensionsempfänger zu werden, die Cantillon ja gerade von den entrepreneurs differenziert hatte.
An den Kontakten mit Christian von Zweibrücken-Birkenfeld und Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt lassen sich nichtsdestoweniger einige systematische Beobachtungen zu solchen alchemistischen Unternehmern machen, die erhebliche Überschneidungen mit der Gruppe der Projektemacher aufwiesen. Im Fall von Zweibrücken-Birkenfeld wie im Fall von Hessen-Darmstadt lässt sich dabei die Verflechtung von quasi-monetär abgleichbaren Handelstransaktionen alchemistischer Dienstleistungen und Produkte mit Klientelbeziehungen zeigen. Die Auswirkungen dieser Verflechtungen fallen jedoch differenziert aus, so dass situativ die eine oder andere Komponente überwiegen und mithin die ökonomischen Beziehungen dominierend strukturieren kann. Dies wirkt sich folglich in beiden Fällen unterschiedlich auf das Problem aus, wie Vertrauen in die Dienstleistung bzw. das angebotene Produkt geschaffen werden kann. Die Vertrauensfrage schält sich dabei als Schlüsselproblem für den alchemistischen entrepreneur heraus. Dabei ist die Ungewissheit für das ökonomische Handeln des Unternehmers des 18. Jahrhunderts als historisierter Größe konstitutiv. Risiko und Unsicherheit werden zwar teilweise – besonders in Anschluss an Frank H. Knight – auch in modernen Überlegungen zum Unternehmertum als zentrale Kategorien identifiziert. Doch ist die Unsicherheit des entrepreneurs im zeitgenössischen Verständnis des 18. Jahrhunderts wesentlich enger mit der Gefahr von Misserfolg oder Scheitern verbunden als mit dem Generieren von Profit wie in der modernen Theoriebildung.
Ein angestrebter Profit Hatzels wiederum lässt sich im Zusammenhang mit seinen Unternehmungen – wie erwähnt – in erster Linie im Erwerb von standesgemäßer Absiche­rung und hierarchischem Aufstieg sehen. Inwieweit seine Geschäftspartner ein ­monetäres Profitstreben an ihre Investitionen in Hatzel banden, bleibt weitgehend Spekulation. Im Fall des Landgrafen Ernst Ludwig darf man die Suche nach Einnahmequellen dabei vielleicht tatsächlich als entscheidenden Grund annehmen. In Hinsicht auf den Pfalzgrafen von Zweibrücken-Birkenfeld erweist sich die Einschätzung als schwieriger. Sieht man von dem ubiquitären Problem des höfischen Zeitvertreibs ab,123 mag hingegen auch hier die Hoffnung auf eine Förderung der zeitgenössisch in Rappoltsweiler/Ribeauvillé, also in seiner Grafschaft Rappoltstein, ansässigen Glasproduktion eine Rolle gespielt haben.124
Angesichts des hohen Grades an intrinsischen Unsicherheiten im Geschäftsmodell des alchemistischen entrepreneurs besaßen die Erfolge Louis de Hatzels jedenfalls ein zeitlich und materiell beschränktes Ausmaß. Von einem Scheitern Hatzels im Sinne von Erfolglosigkeit, die »für das soziale Umfeld des Scheiternden offensichtlich sein muss«,125 kann man in den hier besprochenen Beispielen hingegen noch nicht zweifelsfrei sprechen. Dies gilt zumindest für den bescheidenen Rahmen von Hatzels Kontakten, die an das väterliche Netzwerk im Elsass anknüpften. Man darf aber durchaus spekulieren, ob sein – durchaus kontingenter – Misserfolg in Hessen-Darmstadt nicht zum angeblichen Wechsel nach London und schließlich in die Niederlande beitrug. In diesem Sinne handelte es sich letztlich um ein graduelles Scheitern im Sinne »temporärer Handlungsunfähigkeit«,126 die dem Akteur aber durchaus zukunftsbezogene ­Anschlusshandlungen erlaubt.127
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Die Ökonomie der Ungewissheit. Der alchemistische entrepreneur Louis de Hatzel
Kolja Lichy
1 Einleitung
2 Elsässische Irrungen und Wirrungen
3 Der alchemistische entrepreneur und die Ökonomie der Ungewissheit
4 Der steinige Weg des Weisen: Hatzels Versuche als entrepreneur
5 Fazit
Quellen- und Literaturverzeichnis