2.0 Sprachnormierung und Sprachkritik in europäischer Perspektive

Ekkehard Felder, Horst Schwinn, Katharina Jacob

Abstract


Der Artikel beschäftigt sich mit einem ganz spezifischen Blick auf Sprachnormen: Ausgehend von der Sprachnormenkritik der Germanistik fokussiert der Artikel die sozio-politischen Implikationen sprachlicher Normfragen. Der Terminus Sprachnormenkritik hat weder im Englischen noch im Französischen oder Italienischen und auch nicht im Kroatischen eine ausdrucksseitige Entsprechung. Das Konzept der ›Sprachnormenkritik‹ bzw. bestimmte Teilkomponenten sind dessen un- geachtet im Englischen, Französischen, Italienischen und Kroatischen seit Jahrhunderten in der Diskussion. Aus vergleichend europäischer Per- spektive ist besonders interessant, dass nicht in jedem nationalsprachli- chen Diskurs über Sprachnormen der unmittelbare Zusammenhang von sprachlichen Normen einerseits und sozio-ökonomischer Macht bzw. po- litischer Handlungsfähigkeit andererseits als korrelierende Phänomene diskutiert wird – und genau dies ist der Kern der ursprünglichen Sprach- normenkritik im Deutschen. Besonders eindrücklich lässt sich der politi- sche Charakter der Sprachnormenkritik im Kroatischen demonstrieren. In den 1960er Jahren ist die Sprachnormenkritik im Kroatischen nicht nur eine Kritik, die degressiv erscheinende Zustände aufzudecken versucht, sondern vor allem eine progressive Kritik, die als Vorreiter der politischen Bewegung für die Unabhängigkeit Kroatiens angesehen werden kann.

Schlagworte


Sprachnormenkritik; Normen; Sprachbewertung; deskriptiv; präskriptiv

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DOI: http://dx.doi.org/10.17885/heiup.heso.2017.0.23716

URN (PDF): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heso-237164